Бывает… – Aus der Naivitätensammlung. 2005.

9 07 2018

Kurze Beobachtung aus dem Jahre 2005, angeregt durch das Herumblättern im Fotoalbum meiner Eltern. Deutsche Übersetzung folgt unten.

 

Бывает, за любовь мы принимаем небылицы

И до последнего надеемся на них.

Наверное, поэтому в родительском альбоме

Так много есть еще пустых страниц,

Но снимки больше не заполнят их.

 

Übersetzung:

Man hält so manches mal Illsuion für Liebe

Und hofft darauf bis zum letzten Allerletzt.

Vielleicht deswegen gibt es in dem Fotoalbum meiner Eltern

So viele leere Seiten zum Befüllen,

Doch keine Fotos kommen mehr dazu.

 

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Man kann´s nicht wissen…

4 06 2018

Man kann´s nicht wissen! –

In die tiefste Schlucht der bitteren Verzweiflung mag man hier abrutschen.

Wie manche´s taten.

Jeder schwarze Schwann

Gleicht einem Terroranschlag auf den logischen Verstand:

Mag sein, die Sonne geht im Westen auf,

Mag sein, das Leben fängt beim Sterben an.

 

Immanuel vergrub sich, tiefst erschüttert,

In seinen Bücher, die er schließlich in die Fetzen schnitt,

Passage nach Passage alphabetisch ordnend,

So bitter er an dieser Leere litt.

 

Die schöne Seele eines Friedrichs hielt´s nicht aus:

Aus Sprachenlehre in die Suche nach dem Sinn

der Existenz:

alles ist sinnlos,

alles hin! –

Wie feierlich und traurig, sieh: die Sonne sinkt!

Foucault der Belle Epoque verendete im Irrenhaus.

 

Wer hätte es wissen können, wie es kommt…





Hoffnung

14 05 2018

Die Hoffnung. Das sehnsüchtige Verlangen

Nach einem Morgen, wenn das Heut´ zusammenbricht.

Die Saat, die, niemals gänzlich aufgegangen,

Noch nicht gekeimt und doch zugleich vergangen,

Vernunft zu Trotz noch immer strebt nach Licht.

 

Aus transzendentem Schmerz, einseitig bindend,

Mit nie erlebtem Gott geschlossener Vertrag:

Man gibt sich auf, man fügt sich Tag für Tag,

Dafür, dass Er in Seinem Jenseits einem Seelenwrack

Seinen nie ruhenden, endlosen Kummer lindert.

 

Teil unsrer Entropie, die sich nicht mindert.

Sie trügt zum Heitersein im allerschlimmsten Jetzt,

Man lebt so leicht, von ihrem Widerschein verhext.

Dem Lebenden sein trotzigster Reflex:

Die Hoffnung. Unsre allerbest´ Erfindung.





Jeder ist allein

30 04 2018

Jeder ist allein… – Ewig und immer.

Trotz all den mitfühlenden Stimmen,

Die einen zu trösten suchen…

Nein!

Wie der letzte sprachlose Stein

Unter dem schweigenden Himmel,

dem so herrlich gleichmütigen,

dem so unantastbaren,

dem es so völlig gleichgültig ist,

ob du ein Mensch oder Stein warst…

 

Und wenn dir dein Herz einmal barst

Beim Erkennen deines Alleinseins:

Wisch deine Tränen weg: das war es,

Es kommt nimmer viel zu wissen,

zu denken, zu fürchten, zu sein:

Jeder auf eigene Weise:

Ob schreiend, ob lachend, ob leise,

Jeder ist immer einsam.

Jeder ist allein.





Es ist alles verknüpft…

9 04 2018

Es ist alles verknüpft! Alles wandert und fließt,

transformiert seine Kanten in Kreise und Kurven,

Immer neue Gesichter und neue Figuren

Aus dem alten Gefüge, wo immer man´s liest.

 

Wer hat Augen, der sieht wie sich alles vermischt.

Neue Sterne entstehen aus den alten Plejaden,

Bunt und üppig verkleidet: Gedankenparade,

Wo kein einziger Funke in Lethe erlischt.

 

Alle einzelnen Striche, so klar souverän,

All unsichtbare Fäden des menschlichen Wissens

Knüpfen irgendwo an. All Gedanken und Schlüsse

Weben sich in ein Muster zusammen, makaber und schön.

 

Wer dem Muster der Dinge ein paar mal gelauscht,

Bleibt von seiner beweglichen Schönheit berauscht.

 





Kraken

8 02 2018

Below the thunders of the peaceless mind,

Deep in the abyss, speechless and devoid of light,

Away from reason, undisturbed by thought,

There sleeps the Kraken of my troubled heart.

 

Unnumbered hordes of thoughts, so fair and neat

Pass by its silent numbness, shadowlike.

The faintest glimpse of Common Sense collides

Upon its deafening quietness and rhythm.

 

There have they lain and there shall they remain:

The never spoken truths between the lines,

Ink blotches of Irrelevance in my white lies.

Crushed over the threshold of my beautiful mind.





Dein Wein ist – oh! – so schwer…

14 09 2017

Dein Wein ist – oh! – so schwer, mein liebes Leben! –

Er schlägt ohne Erbarmung in den Kopf.

Man trinkt ihn, würzigen, so gern, und hofft,

Das Fest wird dauern, und das Meer ist hoch,

Mag sein, am Tag danach kommt keine Ebbe…

 

Sie kommt… Sie rauscht und lässt dich hilflos liegen,

Brust aufgemacht, Herz rast, entblößt, verletzt,

Von biederer Normalität zutiefst entsetzt,

Verständnis suchend bis zum letzten Allerletzt –

Es glaubte gestern Nacht es könne fliegen.

 

Und morgen wieder, Kopf erhoben, Wunden frisch geleckt,

Man will noch mehr von deinen bunten Früchten:

Bewegungen, Texturen, Seufzer und Gerüchte,

Dein Wein ist – ah! – so schwer, und er macht süchtig,

Er schläfert ein und doch zugleich erweckt.