…erschüttert, schüchtern und berauscht…

13 08 2018

Erschüttert, schüchtern und berauscht. Vielleicht

wie jenes taube Kind auf einem alten Foto, –

das durch das Hörgerät zum ersten Mal im Leben hörte:

Entsetzt und endlos fasziniert zugleich.

 

Keine Vernunft betäubt mehr dieses Schwärmen,

Dies stumme Drücken unter meinem Schlüsselbein…

Mach meinen Brustkorb auf und lass mich frei:

Ich hätte für uns beide wohl genügend Wärme…

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Hangover

9 08 2018

… and this crippling awareness emerges,

and the oyster, devoid of her shell,

grips for pieces of it in an urge

to re-cover herself. All meant well,

yet the pieces lie fallen apart.

.

Every breath feels so dizzy inside.

Pumping blood open-air, her heart,

unprotected for any more surges,

gapes for silence, and comfort, and light.





Pendelschläge. II

5 07 2018

II. Adieu, die Morgenröte!

 

Ich will es dürfen!

Schluss mit langem Reden,

Gewissensbissen, keuscher Frömmelei.

Ich bin kein Engel,

Und Schluss mit diesem Wollen,

einer zu sein!

 

Ein dieser ephemeren, abgeklärten Wesen,

Die ihren ungeheuren, schräg gestreiften Geist

Mit Bach und Händel regelmäßig töten,

Bevor er, von dem Leben überfallen,

Ihnen entgleist.

 

Gegrüßt sei du, mir längst bekannte,

interpretationsbefreite Feiernacht,

Du, die da in den Ohren trommelt.

Wein

ausgebrochen

aus dem schweigsamen Dekanter,

Ein Sprung in einen unerwarteten und fast verkannten,

Sommer…

Der Rhythmus des Adrenalins im Blut,

Verzaubert, aufgewühlt, erwacht.

Adieu, die fromme Morgenröte!





Pendelschläge. I

2 07 2018

I. Боже, verlasse mich nicht…*

*Боже – /boʒə/, de: bOshe, Vokativform für „Gott“/“Herr“ – LucyRenard

 

Боже, verlasse mich nicht.

In der tiefsten Nachtstunde, wenn kein Schlaf kommt,

Nicht und nicht,

Und Gedanken,

beflügelt und trotzig:

vom Motiv zu Motiv,

vom Gesicht zu Gesicht

Schwachsinn!

Stets um dieses Gesicht,

Kreisen,

kreisen,

kreisen

wie ein Hamster im Rennrad,

wie ein Boot ohne Ruder.

 

Ich bin müde, so müde,

Aufgespannt zwischen…

Diesem Aus-sich-selbst-Herauskommen,

Dem Vertrauen-lernen,

Der purer Menschlichkeit, die mir immer verwehrt blieb,

Der Menschlichkeit der Augenblicke,

von der ich mich immer so prächtig schützte,

Die mich aus der Bahn schleudert –

Ah, nein! Eher sanft hinausträgt,

so sanft,

so erschreckend leise,

so vertraut,

mit Halblächeln,

ich blinzle, stottere, rede Unsinn

und wache Nacht für Nacht.

 

Ich bin müde, mich zu wehren,

Atemzüge zu messen,

Augenblicke zu kürzen

– mit Messer!

Tief ins Herz

– so ist es besser!

So tief ins Herz,

In die unausgespochene –

Unaussprechliche –Tiefe

Der ungeformten Gedanken.

In die sinnliche Sinnlosigkeit des Sinns.

In die Erschöpfung des Nicht-Merkens.

 

Боже, lass mich nicht fallen.

Ich habe Angst. Solche menschliche Angst

Vor meinen zu fein gesinnten Sinnesorganen.

Sie helfen nicht mehr. Sie verblüffen.

 

Ich dachte, ich bleibe sachlich,

allgemein gültig,

sächlich,

Warum muss ich stets grinsen,

Als ob ich einen Luftballon verschluckt hätte…

 

Warum bin ich ich?





Fall oder Sprung?

18 06 2018

Fall oder Sprung?

Dieser Flug in das Unbekannte,

in das Unausgesprochene,

das Verdrängte;

in das Unbewusste,

In diese atmende, bebende Verflechtung der Linien.

Der Pulsschlag bricht aus dem Gehäuse

Der ruhig-eintönigen Uhr.

So ist also das Leben!

 

Farben, Töne, Geschmäcke –

Berghonig, Flieder und Salz:

betörende Polyphonie

der abgerissenen Fangleinen.

Beschwipst

Schwingen

Schlängeln

Schwindelig!

Verschwinden…

 

Ist Springen gleich Fallen

Aus der Falle der regen Grammatik

In das pure Gefallen?..

 

Feuerspur eines fallenden Engels,

Der sich viel reiner einschätzte

Und viel zu ernst nahm.

Eine Feuerspur,

Fingern folgend,

eine Fackel,

herunterstürzend,

die den Ausmaß des Abgrunds erleuchtet,

Als sie tiefer und tiefer fällt,

 

In das neue Paradigma

Gefallen an dem Fall findend…





Rumba

21 05 2018

Rumba zweier menschlichen Schatten,

Ertränkt in dem klaren Verstand.

Mal blicken sie unverwandt,

Mal teilt mal beinahe den Atem.

 

Die Sterne am schweren Brokate

Des undurchschaubaren Himmels,

Die Sterne! – sie halten inne

Und lauschen, und schauen, und warten.

 

Über den Himmelsrand –

Das wäre der nächste Schritt.

Wer diesen Weg betritt?

Reich mir nun deine Hand…





Between the lines

29 03 2018

Lost so deep between the lines,

Far too smart for implications,

For unwise insinuations

Far too earnest, far too fine.

 

Lines with lead still feel so light,

Following your shapes. No touching.

Modest, decent. Am I blushing? –

When the lines collide…