Aus der Naivitätensammlung – Nach Remarque

16 11 2017

Das heutige Bild entstammt meiner „Naivitätensammlung“, sprich habe ich es vor Jahren gezeichnet, für gut gehalten und aufgehoben. Technisch kommt mir diese Zeichnung heute berührend tollpatschig vor, illustriert jedoch schön mein allgemeines Interesse zu dramatischen Situationen 🙂

Mit 14-15 habe ich für mich Erich Maria Remarque entdeckt. Ich verschlang einige seiner Bücher, bis ich dann zu meinem Schluss kam, er hätte doch gleich Memoiren schreiben können, anstatt seine eigene Fluchtgeschichte, zerstückelt auf n Bücher in immer derselben Form Roman aus, Roman ein zu wiederholen (von der therapeutischen Wirkung des Schreibens, bzw. vom psychotherapeutischen Potenzial der Fictional Autobiography, habe ich damals noch nichts gehört). Einige Bücher von ihm – „Im Westen nichts Neues“, „Zeit zu leben und Zeit zu sterben“ und eben „Der Weg zurück“ beeindruckten mich enorm. Wie habe ich über das Schicksal des armen Ludwigs aus dem letzten erwähnten Roman geheult. Irgendwie sah ich in ihm etwas – was, mich selbst? das beinahe autistisch scheue Wesen, das aus der ganzen Seelenkraft versucht, cool und offen zu sein?

Ich werde hier keine Spoilers zu Ludwig schreiben, aber die Szene seiner Verzweiflung, als er seine toten Kriegskameraden vor den Augen sieht, war offenbar so prägend, dass ich sie aufzeichnen musste. Wie gesagt, tollpatschig und mit Liebe zur Dramatik. Im Nachhinein sehr süß.

Людвиг

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Aus der Naivitätensammlung – Ein Selbstbild mit 14

2 11 2017

Die Naivitätensammlung fortsetzend, möchte ich euch immer wieder meine alten Bilder und anhand deren die Entwicklung des Zeichnens über die Jahre hinweg zeigen. Nicht dass ich mich für Dürer halte, aber es ist manchmal schon sehr lustig – und vermittelt hoffentlich den richtigen Eindruck. Es geht nicht um das Zeichnen-Können, es geht um das meditative Üben.

Schauen wir mal, ob ich mir je traue, die aus der Volksschulzeit auszupacken, die sind natürlich am lustigsten. Als erstes aber kommen daran die Zeichnungen aus dem Ende Unterstufe und aus der Oberstufe. Unser heutiger Fund: mein Selbstbild mit 14. Ich schwärmte verrückt von dem späten 19. Jahrhundert, zutiefst überzeugt, dass ich in eine falsche Zeitepoche hineingeboren wurde.

Daraus entstand nämlich die heutige Zeichnung: ich selbst betitelte sie damals als „…Und das wäre ich“ – versteht sich, wenn ich eben „zur richtigen Zeit“ geboren wäre.

Это была бы я





Letzte Liebe – Last Love – Übersetzung aus Tjutschew

2 07 2017

Ein Vorwort von mir:

Hier ist ein Versuch aus dem Jahre 2008, Tjutschews „Последняя любовь“, „Letzte Liebe“, ins Englische zu übersetzen. Auch wenn ich mittlerweile jahrelang wie aus Tjutschew´schem schwülen Reim herausgewachsen bin, ist dieses Stück von ihm ein Besonderes für mich. Es ist eigentlich meine poetische Niederkunft schlechthin.

Auf das Gedicht stieß ich dank dem Alexander II., russischem Kaiser 1855-1881, der gut über 60 sich in ein 18-jähriges Mädchen verliebte. Die historische Seite der Geschichte: er ließ sie im Kaiserpalais direkt über den Zimmern der Kaiserin wohnen, sie brachte 3 Kinder zur Welt, wurde nachdem der Kaiser selbst verwitwete, zu seiner morganatischen Frau, überlebte den Mann und noch halt paar dutzend andere Romanows… Romantische Seite von dieser Lovestory: Alexander durfte wirklich ordentlich reingeraten sein, in einem seiner Privatbücher, nämlich in einem Band mit Gedichten des berühmten russischen (Diplomaten und) Dichters Tjutschews fand man, angeblich vom Kaiser selbst, eben dieses Gedicht mit Bleistift unterstrichen.

Als ich also mit 14-15, Alexanders Biographie lesend, auf dieses Gedicht kam, löste es bei mir eine große poetische Manie aus. Ich las damals recht viel, wie es scheint, und, rückblickend, durchaus gute Dichter. Dem Tjutschew verdanke ich meine damalige Besessenheit mit Ahmatowa, Gumiljow und Block, die eigentlich jeder, der die Sprache lernt, mal auswendig lernen sollte, so unaufdringlich schön und musikalisch sie schrieben. Ohne damalige Entdeckung Tjutschews gäbe es für mich wohl auch keinen Wilde, Byron und Shakespeare, keinen Goethe und keinen Rilke. Auch das gesamte von mir gereimte Zeug habe ich letztendlich jenem kleinen Zitat in der Biographie von Kaiser Alexander II. zu verdanken. Lustig, es sieht so aus, als ob Geschichte für mich immer poetisch war.

Nun, lange Rede, kurzer Sinn. Hier kommt der Übersetzungsversuch aus dem Jahre 2008, den ich ausnahmsweise für durchaus gut halte, da er dem Stil des Originals folgt und auch metrisch wenn nicht ident, dann doch recht ähnlich aufgebaut ist.

 

Last love

Oh, what a love our hearts can know

When our days speed to the night!

Shine brighter, shine, the farewell light

Of my last love, of my last straw!

 

The shadow hides away the sky,

But still the West keeps shining pale.

Do stay with me, the latest day,

The latest charm before the night!

 

And though I wither, flowerlike,

Will never wilt my gentle passion.

The last of loves! – Love, kissing night –

You’re both a pleasure and desperation.





Morning Coffee – Aus der Naivitätensammlung

16 06 2017

Motion, motion, minutes flashing,

Glisten’ning, passing – far thee well!

Here you’re born – here rings the bell.

World of boredom, world of passion.

 

Little time, less use we running,

Winning, failing, flying high,

Falling badly, shining bright –

Darkness scaring, silence stunning.

 

Never losing, never finding.

Humans? – Silly twirling flock,

Dancing to the Ragnarǿk.

What a circus! Helpless. Funny…

2009





Poor silly me

8 06 2017

Poor silly me, in vain, in vain.

No introspection saves from sorrows,

No use to fight, no use to follow,

So beautiful and silly brain.

 

So adult and so childish soul,

The Nowhereland of my illusions,

No use to run and no solution –

Poor silly me and that is all.

2009





Tertius… scriptat – Aus der Naivitätensammlung

29 05 2017

Duobus litigantibus, tertius gaudet scriptat

The world goes round, we come and pass.

The grain of states runs up – and dies.

The first today – will kiss the dust.

Tomorrow’s truths – tomorrow’s lies…

 

Old idols fall – new ones rise high.

Saint Justice rules – yet can be bribed.

The two will never stop their fight –

The Third will watch. And will describe.

2008





Futility, merry-go-round… – Aus der Naivitätensammlung

25 05 2017

Futility, merry-go-round,

Captivity of my days.

The price of the soul to pay

For all of the roads unfound.

 

For all of the doors unopened,

All of the problems unsolved

And those whom I never loved,

For promises ever broken.

 

The pendulum, heart inspiring

For heights I will ever achieve,

For those whom I’ll never leave –

Futility purifying!

2008