…du hast so viel – zu viel am Herz…

19 04 2018

Du hast so viel – zu viel am Herz,

mein Kind! –

mein armes glückliches,

mein dummes kluges Kind.

Du bist zwar stark, doch hast du Angst vor Schwäche,

Angst vor Verletztheit, die du tief in dir versteckst,

Verletztheit, die du nie gelernt,

doch immer hattest.

 

Hellhörigkeit der Seele,

Das wahnhaft schmerzliche Empfinden,

die du so schön gelernt hast auszublenden,

dass du es manchmal nicht mehr merkst,

du fühlst noch irgendetwas…

 

Du glaubtest schon, du bist geheilt von deinen wilden Träumen,

Von Melodien ohne Ton und Klang,

Vom Zeichnen ohne Linien,

Vom Jucken in den Fingern –

schaffen!

schaffen!

schaffen!

Befreien aus dem Nichts, ins Leben rufen!

Verstummte Silhouetten, die lebendig werden,

Das ist das endliche Erwachen

der Steine, von dem mal Rilke sprach…

 

Du hast so viel am Herz, mein liebes Kind.

 

Pass auf bei all dem Sturm, der langsam wiederkommt,

und du erschauderst, ihn antizipierend,

Pass auf, dass dir dein überfülltes Herz,

das hungerte so elend lange,

dass dir dein Herz vor Glück und Rausch nicht platzt…

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Die Muse

5 02 2018

Dieser Augenblick, in dem ich mich befinde, wenn ich in Ruhe an meiner Diss arbeiten kann 🙂 man mitten in etwas ist, das ohne Sprache, Lautstärke und jegliche Pompe schön ist, was einen von Innen ausfühlt, erwärmt und beinahe vom Boden abhebt, wie schön und richtig es sich anfühlt.

Die Muse





Geburt einer Muse

6 09 2017

Zeichnen ist in vielerlei Hinsicht wundervoll. Es beruhigt enorm, hilft, Emotionen und Erlebnisse zu sortieren und anstatt unruhiger Schlaflosigkeit in etwas Kreatives umzuleiten. Zeichnen beinhaltet auch eine ganz andere Art Sehen: erst beim Skizzieren kommt man auf viele kleine Feinheiten des Modells, sei es ein Mensch oder ein Ast mit welkendem Laub. Jemand mit starker Kurzsichtigkeit, wie es bei mir der Fall ist, orientiert sich eher nicht zu sehr nach visuellen Eindrücken, und da verhilft das Zeichnen zu dem bewussten Umschalten: „jetzt wird aber ordentlich hingeschaut!“ – einige wunderbare Entdeckungen, die man sonst für selbstverständlich hielte. Auch finde ich den Prozess der Entstehung eines Bildes faszinierend.

Ich habe mal eine Aussage gelesen, die Michelangelo zugeschrieben wird: „Ich sah einen Engel im Marmor und schnitzte, bis ich ihn befreit hatte“. Gewagt? Provokativ? – Michelangelo darf es. Vor allem in letzter Zeit aber, wo ich zunehmend mit Porträts und Menschenkörpern experimentiere, fällt mir ein, wie sehr er Recht hatte. Das gewissenhafte, auch notwendigerweise lange Zeichnen, die besessene Ausarbeitung kleiner Unvollkommenheiten, die einen Mensch zum Mensch machen, hat etwas von diesem „Befreien“ in sich – in meinem Fall aus einem flachen dünnen zweidimensionalen Medium. Ich weiß nicht, ob Menschen, die Zeichnen und Malen mal professionell gelernt haben, dieses Gefühl haben oder eher lachen würden, meine Schwärmerei hier lesend. Mag sein, es ist für sie eine fade Selbstverständlichkeit, was für mich Poesie und Entdeckung ist.

Was ich euch heute jedoch zeigen möchte, gehört ebenso zu den schönen Aspekten des Zeichnens. Während man mit pygmallion´scher Begeisterung Hauttexturen und Lichtspiel in den Haaren aus dem Papier befreit, macht man – mache ich – Fotoaufnahmen von unterschiedlichen Stadien der Bildentstehung: der Blick auf ein Foto verleiht Distanz und lässt Fehler zum Korrigieren merken, die einem im kreativen Rausch unterlaufen. Heute zeige ich euch diese technischen Fotoaufnahmen zur  Entstehung einer „Muse“ (aus einem Stock-Foto):

Foto 1. „Wenn das Gesicht nicht geht, dann tue ich gar nicht weiter…“

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Foto 2. „Es geht los mit den Haaren…“

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Foto 3.

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Foto 4. Zwischenstopp. Die Aufmerksamkeit sinkt, also ausatmen und später weitermachen. WhatsApp Image 2017-08-17 at 20.26.38

Foto 5. „Irgendetwas stimmt nicht mit der linken Hand…“WhatsApp Image 2017-08-20 at 19.48.52

Foto 6. Endfassung

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Das Erwachen der Steine

7 05 2017

Ahh, wie gerne, wie endlos gerne

Würd´ ich rein sein von meiner Vernunft! –

Losgerißen von sittlicher Norm,

Losgeprochen von fixer Form

Kein Gebrauch für die Selbstanalyse,

Kein Nachdenken vorm Handeln – statt Handeln! –

Ámen!

Überschwemmt durch das Schweigen der Sterne

Nur dem Klirren im Rücken konform

Dich umarmen und atmen, atmen…