Nimm mir meine Angst nicht weg…

18 07 2018

Nimm mir meine Angst nicht weg:

Lass meine Stimme zittern und mein Herz klopfen.

Lass mir meine Nächte ohne Schlaf,

wo mein Verstand wie ein verrückter Rennfahrer

völlig im Amok der eigenen Energie

sich stets beschleunigt,

als er Runde nach Runde aus dem müden Boden immer höheren Staub schlägt.

 

Ich bin im Übrigen so herrlich temperiert,

gefasst, zielstrebig, schön zivilisiert,

Wie ein Konzert für Geige und Klavier…

Ich darf mir doch dies´ Kleinigkeit wohl gönnen:

 

Das Innehalten vor dem großen Sturm.

 

Wenn es dann endlich um die Sache geht,

Bin ich verwandelt.

Dann weiß ich plötzlich, wie es alles läuft.

Mit Schwung und Leidenschaft,

Entpuppt ist – nicht einmal ein Schmetterling –

Ein nie gedachter Panther!

 

Ich bin höchstproduktiv – und endlos glücklich,

berauscht, lebendig und so himmlisch frei,

weil mein verlorener Geist,

wie ein makabrer Greif,

der ewig lange nach Aufgaben darbte

Nun seine eingeschlafenen Flügel sacht´ ausstreckt

Und in perfekter Ruhe des gekonnten Chaos´ endlich wieder atmet.

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Kindheitsträume

16 07 2018

Makabre, bunte, unerforschte Welt

Der Kindheitsträume!

Noch nicht gezähmt durch kritischen Verstand,

Nicht gargekocht, portioniert, verdaut und ausgeschieden

Aus dieser schmerzhaft frischen Seele,

die nach noch klebrigem, heut Nacht gekeimten Blätterspitzen riecht.

Die über Welten steigt – und Risse im Asphalt verängstigt meidet.

Die abends Nachttischlampe nicht ausschaltet,

und doch zugleich so viel in ihrer bebenden Lebendigkeit verkraftet,

was jedem „großen“ Mensch das Rückgrat bräche…

Die aus den ganzen Lungen heult und jubelt,

Verschränkt und transzendent in ihrer Puppenhülle.

Lebendige, bewegte Kindheitsträume! –

Fragile Atemzüge auf dem ersten Eis,

Gouache der Sommenächte, dicht und tief:

die Schmetterlinge der bizarren Fantasien,

die unsere Erwachsenendämonen nähren,

Und doch in ihrer tiefsten, bittersten Ausprägung

So unbeschmiert sind, rein und einfach…





Бывает… – Aus der Naivitätensammlung. 2005.

9 07 2018

Kurze Beobachtung aus dem Jahre 2005, angeregt durch das Herumblättern im Fotoalbum meiner Eltern. Deutsche Übersetzung folgt unten.

 

Бывает, за любовь мы принимаем небылицы

И до последнего надеемся на них.

Наверное, поэтому в родительском альбоме

Так много есть еще пустых страниц,

Но снимки больше не заполнят их.

 

Übersetzung:

Man hält so manches mal Illsuion für Liebe

Und hofft darauf bis zum letzten Allerletzt.

Vielleicht deswegen gibt es in dem Fotoalbum meiner Eltern

So viele leere Seiten zum Befüllen,

Doch keine Fotos kommen mehr dazu.

 





Pendelschläge. II

5 07 2018

II. Adieu, die Morgenröte!

 

Ich will es dürfen!

Schluss mit langem Reden,

Gewissensbissen, keuscher Frömmelei.

Ich bin kein Engel,

Und Schluss mit diesem Wollen,

einer zu sein!

 

Ein dieser ephemeren, abgeklärten Wesen,

Die ihren ungeheuren, schräg gestreiften Geist

Mit Bach und Händel regelmäßig töten,

Bevor er, von dem Leben überfallen,

Ihnen entgleist.

 

Gegrüßt sei du, mir längst bekannte,

interpretationsbefreite Feiernacht,

Du, die da in den Ohren trommelt.

Wein

ausgebrochen

aus dem schweigsamen Dekanter,

Ein Sprung in einen unerwarteten und fast verkannten,

Sommer…

Der Rhythmus des Adrenalins im Blut,

Verzaubert, aufgewühlt, erwacht.

Adieu, die fromme Morgenröte!





Nachtwache

25 06 2018

Humor und Weisheit nutzen letztlich nichts,

Wenn ich in tiefster Nacht unruhig wache,

Mit Mühe atme, sehne mich nach Licht,

Und meine alten, nie bekämpften Drachen

Sind wieder da…

Im trostlosen Zwielicht

Sie treten weich voran,

umkreisen mich,

Und ihre schattigen Gesichter lachen…





Freitag, 4.5.

11 06 2018

Ermüdung.

Ein Hammerschlag zwischen die Schulterblätter.
Diese bleierne Wolke,
Die weder schwebt, noch regnet.

Sie umhüllt mich am helllichten Tag,

grinst mich spöttisch an:

schon wieder sieht man sich! –
Und tröpfelt mit gekonnter Langsamkeit

Eines begabten Henkers
Auf meine Papierschulter,
Die kein Gewicht mehr tragen können.

Nicht, dass sie zu schwach wären.
Nicht, dass ich was falsch täte.
Man muss gestehen –
Zum Teufel mit der falschen Scham! –
Ich mache es schon gut.
Durchaus gut…

Nur ist meine Messlatte immer so hoch:

Zu hoch,
Zu unerreichbar.
Kein Sprungstab reicht
In dichten Wolkendunst,

Da oben in der Ferne,
Hinter dem Horizont.

Eines Tages breche ich das Genick

Bei all dem Springen.

Und es ist nicht mal der Stolz, was meiner Seele keine Ruhe lässt.
Eher ist es die ewige Angst vor der Leere,
Vor dem Nicht-Genügen,
Vor dem Fall ins Bodenlose
Ganz alleine, denn wer braucht schon Versager?
– ich finde keinen Halt,
Wenn ich es nur könnte, würd´ ich weinen:
Bitte. Bitte. Ihr sollt, ich sollte
Mir doch gelegentlich auch etwas gönnen:
Ein bisschen Wärme,
Ein bisschen Ruhe,
Ein bisschen mich…





Man kann´s nicht wissen…

4 06 2018

Man kann´s nicht wissen! –

In die tiefste Schlucht der bitteren Verzweiflung mag man hier abrutschen.

Wie manche´s taten.

Jeder schwarze Schwann

Gleicht einem Terroranschlag auf den logischen Verstand:

Mag sein, die Sonne geht im Westen auf,

Mag sein, das Leben fängt beim Sterben an.

 

Immanuel vergrub sich, tiefst erschüttert,

In seine Bücher, die er schließlich in die Fetzen schnitt,

Passage nach Passage alphabetisch ordnend,

So bitter er an dieser Leere litt.

 

Die schöne Seele eines Friedrichs hielt´s nicht aus:

Aus Sprachenlehre in die Suche nach dem Sinn

der Existenz:

alles ist sinnlos,

alles hin! –

Wie feierlich und traurig, sieh: die Sonne sinkt!

Foucault der Belle Epoque verendete im Irrenhaus.

 

Wer hätte es wissen können, wie es kommt…