Die Nacht

10 07 2017

Lausche die Ewigkeit, schweigend, schweigend.

Schritte der Stille so zögernd und scheu,

Unter den Füßen, die Stiege absteigend,

Staub der Geschichte so sprachlos schön.

.

Zart und verzaubert: Mondscheinsonata.

Flüssiges Silber am Himmelsrand.

Perle der Sterne am blauen Brokate.

Abend tritt ein und betet dich an.





Wie ein Märchen, ein Lied, eine Hymne…

20 06 2017

Wie ein Märchen, ein Lied, eine Hymne,

wie eine weiche Verzweiflung,

die störrische Zartheit,

frühe Dämmerung vorm glutroten Untergang:

Hier kommst du

Endlich! –

So endlos und unumkehrbar.

Die Zeit fürs Weinen vom Glück

Und Lachen vom Schmerz

Ja, weinen von dir! –

Und beten: für dich und dir..

Nun ändert sich die Welt:

Krümmt,

Schäumt,

Wällt,

Schmilzt –

Es gibt keinen Raum,

keine Zeit,

keinen Beginn,

kein Ende

und keine Angst mehr…

Bleib bei mir.





Tertius… scriptat – Aus der Naivitätensammlung

29 05 2017

Duobus litigantibus, tertius gaudet scriptat

The world goes round, we come and pass.

The grain of states runs up – and dies.

The first today – will kiss the dust.

Tomorrow’s truths – tomorrow’s lies…

 

Old idols fall – new ones rise high.

Saint Justice rules – yet can be bribed.

The two will never stop their fight –

The Third will watch. And will describe.

2008





Schrei-b!

19 05 2017

Schrei!

Aus den ganzen Lungen, und mit beiden Händen

Schlag wütend gegen jene Wand,

Die drinnen steht

und staut

und hemmt

und kettet dich mit Angst

du tätest etwas falsch.

Vielleicht…

Schrei!

Brich ihn durch,

den Damm,

Sei endlich kühner,

Herrgott! – Im Namen deiner alten Reime,

Schreib!

 

Die Trommel deiner schräg geformten Seele,

Verstaubt,

verstellt,

verscheut,

verstummt –

und trotzdem da!

Hol sie heraus und tue es einfach,

Schreib!

 

Schreib Kinderreime, Werbung, jeden Übungsschrott,

Der dir den langen Weg zurück erleichtert.

Schreib deine Suche, Unvernunft und Weisheit,

Den ewig alten Greis im frischeren Gehäuse

Deines zivilisierten, temperierten Körpers.

Aus all den hellen und den dunklen Ecken

deines so sonderbar geformten Ichs,

komm,

Schrei!





Schmetterling

17 05 2017

Ein bunter Splitter glänzt mich fröhlich an.

Was bist du denn? – Ob Farboase?

Ob ungezähmte Aquarelextase?

Verlor´nes Herz einer barocken Vase? –

Ein Schmetterling in meiner stillen Hand.





Integrationswa(h/n)n

15 05 2017

Folgender Freivers entstand auf Druck aus einigen Begegnungen letzter Zeit, bei denen ich auf eine ziemlich bittere Weise damit konfrontiert wurde, wie rasant sich die menschliche Wahrnehmung gegenüber einer Person ändert, sofern eine vermeintliche „Fremdheit“ festgestellt wird. Den Rest des Beitrags lesen »





Infinitamente

11 05 2017

Du bist nicht mehr…

Tot! Tot! Tot! So heißt es bei den kopfreifen Menschen!

Was kann doch einfacher sein, als diese drei Laute über die Lippen zu bringen

Ausstoßen

Fertig!

Tot!

Tot.

Was kann doch schwerer sein, als diese drei…

Du lebst nicht mehr.

 

Als du gingst…

Starbst, es heißt „sterben“! Sterben!

Hab Geist um das zu sagen: „Sterben“!

– Ruhe hier! Die Seele spricht.

Als du gingst, fühlte ich mich froh und zerschlagen zugleich

Froh? – Fast froh…

Ich wusste, du warst mit uns und doch alleine,

du warst

So alleine,

so unendlich alleine,

wie ich es jetzt ohne dich bin.

Du hattest uns und dieses schöne Leben

Aber nimmer Diejenigen, die deinen Weg prägten

Und ihn mitgingen…

Jetzt hattest du sie endlich bei dir.

Und sie hatten dich.

 

Ich stand da…

Stand?

Was soll das?

Du lagst entweder auf dem Boden

Oder saßest im Zimmereck

Selber zum Eck geworden,

Alle deine Kanten wieder sichtbar, keine Haut, nur Ecken, Winkel und gebroch´ne Linien.

– Ruhe hier! Die Seele spricht!

 

Als du gingst, da stand ich und dachte,

Farewell,

Gott sei mit dir,

Sei endlich mal frei,

Jetzt kannst es loslassen.

Jetzt musst – endlich mal! – nimmer stark sein.

Wie hast du es geschafft:

den Weg gegangen zu sein und dein Rückgrat behalten zu haben,

Ohne dass es zum Fragezeichen, zum gebrochenem Strich, wurde?

Deswegen sagtest du mir immer, ich soll doch gelegentlich den Kopf entladen,

man kann doch nicht immer denken, denken, tun, wieder denken,

man muss doch manchmal auch schwach sein dürfen,

ausatmen.

Jetzt kannst es dir wieder leisten.

 

Als du gingst, fühlte ich mich wie lebend enthäutet.

Ich wusste, dass es sein musste, und dass alles seine Zeit hat,

dass du dein Recht hattest, und dass ich es auch schaffen würde,

Tag für Tag, Jahr für Jahr mein Leben zu leben,

Meine Fehler zu machen, über sie zu wachsen,

aus meiner Haut hinaus und in die große Welt.

 

Ich schaffe es auch scheinbar nicht schlecht.

Zum Staunen ist es, wie ich jetzt brenne.

Aus den gebrochenen Linien kommt nun so viel Energie heraus,

Dass mir beinahe Blumen aus den Fingern wachsen.

 

Und wie gerne möchte ich glauben,

dass du gelegentlich rüberschaust und…

Du musst nicht einmal stolz sein,

Nein.

ich weiß es einfach, wie es ist

zwischen dir und mir.

Und, weißt, da drin ist immer ein Stückchen Platz,

der du bist.

Bis in die Unendlichkeit.