Winter

20 10 2019

Vom sommerlichen Rennen reichlich noch getrost

Und nicht begriffen, dass das Spiel verlor´n,

Noch Kraft im Herzen und der Kopf empor

Begegne ich diesem ersten leisten Frost.

Er tritt heran so weich und so umsichtig,

Allwissend wie ein alter Psychiater,

Der meine Regungen wie ein verspielter Kater

Erkannt, belächelt hat… und hingerichtet.

In sein beruhigender Hand gefangen,

Vergeblich ringt man: noch ein Schritt! Ein Wort…

Er ist zu zart, zu unausweichlich, dieser stiller Tod.

Ich zittere noch kurz und bin sofort vergangen.





Herbst

24 09 2018

…und alles atmet etwas ruhiger und leiser,

und diese trockene, durchwärmte Duft

vom goldgebräunten, sonnensatten Laub,

vermischt mit kratzigem Parfüm und Straßenstaub,

schwebt in beruhigt müder Abendluft

und ruht sich aus nach langer Tagesreise.

 

Der Sommer war so hold, sein Griff so unauflöslich! –

Nun blättert er, gemäßigt, ab. Es ist genug.

Der Herbst, so herrlich frei von Zwang und Wirr’n,

legt seine Hände auf die fiebrige, gequälte Stirn,

löscht ruhelose Träume aus: zart, sicher, Stück für Stück:

Ohne Aussicht und Hoffnung, – und doch unendlich tröstlich.





Der Vorhang fällt

15 09 2018

Der Vorhang fällt,

und dieses endlos Drama, –

schon elendige tausendmal gespielt,

Gedeutet tausendmal bis in den Amok

hinein,

Nach jedes neuen Bühnendirektoren Laune,

Sich seinem unausweichlich´ Ende nähert,

Mit bunt und laut die Seele nimmer quält,

Klingt langsam ab. Hallt kurz noch nach. Dann kommt die Stille…

 

Erschöpfter, überreizter Nerven stumme Lähmung.

Noch rauchen schweigsam die ermüdeten Schauspieler,

Noch wandern ruh´los auf der leeren Bühne,

Betäubt durch pure Sinnenüberschwemmung.

Entkleidet jeder Leidenschaft und Wille,

Jeder mit sich allein: ah wie privat und schräg

Ist dies zerbrechliche Intimität der stummen Welt.

 

Und keiner merkt in dieser müden Wonne,

Wenn kein Gesicht seine gewohnte Rolle trägt,

Das Spiel mag aus sein, Lampen und Kulisse weg,

Doch der Zuschauer wacht und lauscht, und schaut und zählt,

Voll Wissbegierde, ohne Scham und Hemmung.

Man will sich schützen, wegdrehen, Augen zu, verstecken,

Man sieht umher und schaudert, denn der Vorhang fehlt…