Полночь – Aus der Naivitätensammlung. 2010

12 03 2018

Полночь опять. Замолчал мир вещей.

Слышно, как спорят о чем-то соседи.

И в желтоватом искусственном свете

Бродят слова как бездомные дети.

Снова душа моя стала ничьей.

 

Несколько странно свободной ей быть:

Сердца словами никто не целует,

Нервы не рвет, вещих снов не толкует.

Нет, об ушедшем совсем не тоскует.

Просто она разлюбила любить.

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Schreiben – Aus der Naivitätensammlung. 2009

5 03 2018

 

Zu schreiben

An jemanden, der es nie lesen wird,

Niemals und nirgends –

Zu schreiben allein wegen des Schreibens selbst,

Ob deswegen, dass sich die Tinte sich schön aufs Papier legt? –

Wegen des Prozesses, des Genusses am Schreiben.

 

Du, meine verlorene Seele,

Ein Kind, das durch Puppenschmerzen erwachsen wird,

Das womöglich erst jetzt die Tiefe des Flusses begreift,

Am Ufer stehend.

Wie sehr kratzen die Kiessteine zarte Kinderfüße!

So klein sind sie,

So sinnlos,

Und doch tun sie so weh.

Und es will, wie sehr will es eintauchen,

Die unwiderstehliche Anziehungskraft des Unbekannten,

Wenn da drinnen jemand neuer aufwacht,

Neu und unbegreiflich.

Es zieht, zieht so sehr an – und doch ist jeder Schritt unbekannt,

Die Mama sagte doch immer…

 

Ich weiß, was da kommt.

Das haben mir die fremden, bemitleidenden Gesichter vorausgesagt,

Gesichter, voll ausgebleichtes Mitgefühls.

Es kommt trübes Chromwasser,

Tagtäglicher Trank – abscheuliche chemische Brei –

Alltag. Es klingt wie eine Diagnose.

Laufbahn. Grammophonnadel,

Die Schritt für Schritt auf dem nagelneuen Vinyl meiner Seele

Kratzer der Lebenserfahrung hinterlässt.

Ein Tag mehr,

Ein Mensch mehr –

Ist doch alles so egal…

„Es gibt keinen Unterschied, ob du mit 30 oder mit 70 stirbst“ –

Danke an Camus

Und Sartre!

Dank denen springt das Kind nicht – es geht ganz langsam rein

In die Strömung der ungeordneten Partikeln,

Dieser Überreste des Sinnes und der Emotionen.

 

Zu schreiben an jemanden und ins nirgends. Ohne es mal zu wissen, was aus dem Schreiben wird.

Ein Bewusstseinstrom? Delirium? Schmerz?

Irgendwie schmerze ich fast nicht mehr…





Fusion-Gedicht

26 10 2017

Heute – ein lyrisches Experiment. Ich habe, glaube ich, nur einmal, in einem Witzvers, Sprachen gemischt, – damals, vor ungefähr 8 Jahren, und dann heute. Es ist ein Freivers entstanden, wo mal Einzelwörter, mal Wortkombinationen Deutsch/Russisch gemischt sind. Es ist durchaus interessant! Ein wenig meditativ ist dieses Code-Switching und zugleich ist jeder Sprung von Sprache zur Sprache ein kleiner Bruch der Erwartung, ein kleines Zittern und Raufblicken. Merkwürdig.

Rhythmisch sind diese zweisprachigen Abschnitte aufeinander abgestimmt. Unten in der Fußnote führe ich die Übersetzung der russischen Teile.

 

Bin jetzt ganz leise:

Berühre mich nicht.

Ах, как задумчиво тонок мой стих!

Ах, как загадочен взгляд твой – nachprüfend,

Губы смеются, а голос утих.

Я научилась дышать и смеяться:

Atmen und lachen! – Ersehnte Befreiung!

Blicke verkürzen – не надо бояться.

Все хорошо, ich bin wieder vernünftig.

Только вчера… – Gott, wie sehr wollt´ ich schreien!

 

„Übersetzung“: 

Bin jetzt ganz leise:

Berühre mich nicht.

/Ah, wie nachdenklich und dünn ist mein Vers!/

/Ah, wie geheimnisvoll ist nun dein Blick/ – nachprüfend

/Lippen – die lachen noch. Die Stimme ist aus/

/Ich bracht´ mir das Atmen und Lachen neu bei/

Atmen und lachen! – Ersehnte Befreiung!

Blicke verkürzen – /fürchte dich nicht/

/Alles ist gut,/ ich bin wieder vernünftig.

/Außer doch gestern/… – Gott, wie sehr wollt´ ich schreien!

 

 





I have a dream

28 06 2017

So to say… Vielleicht nicht heute und nicht in einem Jahr, aber eines Tages, Schritt für Schritt, möchte ich einige Sachen, die zum russischsprachigen Allgemeinwissen und Kulturgut gehören, ins Deutsche übersetzen. Das auf russisch Verfasste hat so viel mehr zu bieten, als die ewige, allen bekannte und daher fast schon fade Kombination „Tolstoj-Dostojewski-Shostakovich“. Dabei sind manche Autoren – ja ganze Wissenstraditionen im wahrgenommenen „Westen“ so gut wie unbekannt. Mit den Russischsprachigen redend, verzerre ich schmerzhaft die Miene, wenn sie ihre Belesenheit dadurch herzeigen wollen, dass sie Bulgakow gelesen haben. Um Himmels Willen! – Für Russischsprachige ist Bulgakow kein Bildungs-, sondern lediglich Alphabetisierungsmerkmal.

Als ich vor paar Jahren für die Aufnahmeprüfung Pädagogik an der Uni Wien ein äußerst unlogisch zusammengestelltes Buch lesen musste, fiel mir ein, dass die „westlich“ geprägten Autoren zwar vom pädagogischen Humanismus sprachen, sich dabei aber ausschließlich auf die USA bezogen. Wobei für mich pädagogischer Humanismus undenkbar ist ohne Wassili Suchomlinski oder Anton Makarenko. Die sind nicht lediglich Gestalten mitten im vorbeiziehenden Fluss der Zeit. Die sind der Inbegriff der humanistischen Pädagogik. Sie nicht zu kennen ist genauso unmöglich wie… nie von Viktor Frankl gehört zu haben.

Zwar waren beide Kinder ihrer Zeit: in Suchomlinskis „Briefen an den Sohn“ findet man recht viel Begeisterung für Kommunismus. Voll entzückt spricht er von dem, was ich mittlerweile als „Transformationsmoral“ abwerten würde: die Errichtung einer neuen, besseren, voll utopischen Gesellschaft, verflochten mit Pathos des Patriotismus (ich habe recht wenig gegen Patriotismus, solange es wirklich um die Liebe zum Eigenen – und nicht um die Abwertung des Anderen geht). Aber wie kann man das Suchomlinski zum Vorwurf machen? – dem Sohn der einfachen Dorfbauern aus tiefstem „nowhere“ in der Ukraine des frühen 20. Jahrhunderts, aufgestiegen dank der eigenen Begabung und kostenfreier Bildung – zu einem hochverehrten Pädagogen und Theoretiker des sowjetischen Humanismus in den Zeiten des Aufbruchs zum „sowjetischen Traum“ und wo dieser Traum ja so nah zu liegen schien – Weltallera und Tauwetter, Aufschwung der Wissenschaften und rasante Verbesserung des Alltags der Bevölkerung. Das Schwärmen nach der neuen Era, volle Überzeugung, dass der sowjetische Sozialismus eine bessere, gerechtere Gesellschaftsordnung, gehörten bei Suchomlinski zu einem Teil seines Lebensphilosophie, zu seinem Glauben.

Ob er manchmal hinwegschaut oder gewisse Sachen wirklich nicht sieht: GULAG, Holodomor und sonstige „Nebenwirkungen der Verbesserung“? Dabei spricht sich Suchomlinski in seinen Büchern immer wieder unglaublich tapfer gegen die individuelle „Taubheit“, Feigheit, Faulheit und menschenunwürdige Gleichgültigkeit der Gesellschaft aus. Er berührt insgesamt so eine breite Palette der Probleme, dass man ihn schon allein deswegen hätte lesen sollen. Und vielleicht sind manche Gedanken veraltet oder romantisch oder was sonst. Sie sind jedoch so schöne Denkanstöße…

Hier ist ein kleiner Auszug aus Suchomlinski, den ich vor 3 Jahren für diesen Blog übersetzte. Sollte doch regelmäßig gelesen werden, wenn die Abenddämmerung etwas dünkler als üblich wird.

I have a dream, wie gesagt…

 





Menschenkörper, fünfsprachig

28 03 2012

Vor einiger Zeit habe ich dieses Bild in einem Englischkurs in Russland bekommen. Das Bild war zweisprachig und lieb, und natürlich wollte ich es sofort vollenden, zunächst mit den deutschen Fachbegriffen, dann habe ich mich auch fürs Französische und Italienische entschieden. Derzeit spiele ich mit Gedanken, die Sprachliste noch ein bisschen zu verbreiten (und, wenn Sie/Ihr unklare, bzw. ungenaue Momente bemerken, dann auch zu verbessern). Enjoy.