Fusion-Gedicht

26 10 2017

Heute – ein lyrisches Experiment. Ich habe, glaube ich, nur einmal, in einem Witzvers, Sprachen gemischt, – damals, vor ungefähr 8 Jahren, und dann heute. Es ist ein Freivers entstanden, wo mal Einzelwörter, mal Wortkombinationen Deutsch/Russisch gemischt sind. Es ist durchaus interessant! Ein wenig meditativ ist dieses Code-Switching und zugleich ist jeder Sprung von Sprache zur Sprache ein kleiner Bruch der Erwartung, ein kleines Zittern und Raufblicken. Merkwürdig.

Rhythmisch sind diese zweisprachigen Abschnitte aufeinander abgestimmt. Unten in der Fußnote führe ich die Übersetzung der russischen Teile.

 

Bin jetzt ganz leise:

Berühre mich nicht.

Ах, как задумчиво тонок мой стих!

Ах, как загадочен взгляд твой – nachprüfend,

Губы смеются, а голос утих.

Я научилась дышать и смеяться:

Atmen und lachen! – Ersehnte Befreiung!

Blicke verkürzen – не надо бояться.

Все хорошо, ich bin wieder vernünftig.

Только вчера… – Gott, wie sehr wollt´ ich schreien!

 

„Übersetzung“: 

Bin jetzt ganz leise:

Berühre mich nicht.

/Ah, wie nachdenklich und dünn ist mein Vers!/

/Ah, wie geheimnisvoll ist nun dein Blick/ – nachprüfend

/Lippen – die lachen noch. Die Stimme ist aus/

/Ich bracht´ mir das Atmen und Lachen neu bei/

Atmen und lachen! – Ersehnte Befreiung!

Blicke verkürzen – /fürchte dich nicht/

/Alles ist gut,/ ich bin wieder vernünftig.

/Außer doch gestern/… – Gott, wie sehr wollt´ ich schreien!

 

 

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Sommer in der Stadt

19 10 2017

Sommer in der Stadt:

Zucker, Benzin und Parfüm in der zitternden Luft,

Der Gehsteig glüht vor Hitze.

Eine junge Frau im samtenen Kleid –

eine fließende Kurve zum Staunen.

Ein Kind blickt mich an

durch die Lokalvitrine,

nachdenklich und naiv, so unbekümmert rein –

Ein kleiner Weiser! –

Und ich muss lächeln…

 

Bewegung überall: ein Werktag,

hin und her und wieder zurück,

den Geschäften nach,

Alles bebt

Und fließt

Und atmet

Frei…

So schön ist das!

Ich bin am Leben!

Das Herz schlägt – ich schlage noch! –

Verliebt in diese Stadt:

Wo waren doch meine Augen früher?





Letzte Liebe – Last Love – Übersetzung aus Tjutschew

2 07 2017

Ein Vorwort von mir:

Hier ist ein Versuch aus dem Jahre 2008, Tjutschews „Последняя любовь“, „Letzte Liebe“, ins Englische zu übersetzen. Auch wenn ich mittlerweile jahrelang wie aus Tjutschew´schem schwülen Reim herausgewachsen bin, ist dieses Stück von ihm ein Besonderes für mich. Es ist eigentlich meine poetische Niederkunft schlechthin.

Auf das Gedicht stieß ich dank dem Alexander II., russischem Kaiser 1855-1881, der gut über 60 sich in ein 18-jähriges Mädchen verliebte. Die historische Seite der Geschichte: er ließ sie im Kaiserpalais direkt über den Zimmern der Kaiserin wohnen, sie brachte 3 Kinder zur Welt, wurde nachdem der Kaiser selbst verwitwete, zu seiner morganatischen Frau, überlebte den Mann und noch halt paar dutzend andere Romanows… Romantische Seite von dieser Lovestory: Alexander durfte wirklich ordentlich reingeraten sein, in einem seiner Privatbücher, nämlich in einem Band mit Gedichten des berühmten russischen (Diplomaten und) Dichters Tjutschews fand man, angeblich vom Kaiser selbst, eben dieses Gedicht mit Bleistift unterstrichen.

Als ich also mit 14-15, Alexanders Biographie lesend, auf dieses Gedicht kam, löste es bei mir eine große poetische Manie aus. Ich las damals recht viel, wie es scheint, und, rückblickend, durchaus gute Dichter. Dem Tjutschew verdanke ich meine damalige Besessenheit mit Ahmatowa, Gumiljow und Block, die eigentlich jeder, der die Sprache lernt, mal auswendig lernen sollte, so unaufdringlich schön und musikalisch sie schrieben. Ohne damalige Entdeckung Tjutschews gäbe es für mich wohl auch keinen Wilde, Byron und Shakespeare, keinen Goethe und keinen Rilke. Auch das gesamte von mir gereimte Zeug habe ich letztendlich jenem kleinen Zitat in der Biographie von Kaiser Alexander II. zu verdanken. Lustig, es sieht so aus, als ob Geschichte für mich immer poetisch war.

Nun, lange Rede, kurzer Sinn. Hier kommt der Übersetzungsversuch aus dem Jahre 2008, den ich ausnahmsweise für durchaus gut halte, da er dem Stil des Originals folgt und auch metrisch wenn nicht ident, dann doch recht ähnlich aufgebaut ist.

 

Last love

Oh, what a love our hearts can know

When our days speed to the night!

Shine brighter, shine, the farewell light

Of my last love, of my last straw!

 

The shadow hides away the sky,

But still the West keeps shining pale.

Do stay with me, the latest day,

The latest charm before the night!

 

And though I wither, flowerlike,

Will never wilt my gentle passion.

The last of loves! – Love, kissing night –

You’re both a pleasure and desperation.





Batter me…

19 08 2015

Batter me, better me, bed with me,

Challenge me out of sleep,

Force me into a weep,

Reckless, courageous, deep

Sacredness of a blaspheme.

.

Fight with me, flout me and fly with me,

Shatter my slumbering heart,

Swinging from heavy to hard.

Let me invent you in art.

Burst me, my muse, to be.