Split

20 11 2017

Waltzing on the weightless ice,

Racing rage of rumbing reason:

Shingles sharp and thought concise,

Hazy thirst that can´t be seasoned.

 

Fever of the restless mind,

Wild, unchained, it raids ashore,

Whilst this quiet child inside

`s seeking for an exit door.

 

Singing gospels, see! – she flees:

Joyfully escapes her prison,

Blissfull smile across her lips,

Barefoot, numb, yet finally peacefull.

 

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Sommer in der Stadt

19 10 2017

Sommer in der Stadt:

Zucker, Benzin und Parfüm in der zitternden Luft,

Der Gehsteig glüht vor Hitze.

Eine junge Frau im samtenen Kleid –

eine fließende Kurve zum Staunen.

Ein Kind blickt mich an

durch die Lokalvitrine,

nachdenklich und naiv, so unbekümmert rein –

Ein kleiner Weiser! –

Und ich muss lächeln…

 

Bewegung überall: ein Werktag,

hin und her und wieder zurück,

den Geschäften nach,

Alles bebt

Und fließt

Und atmet

Frei…

So schön ist das!

Ich bin am Leben!

Das Herz schlägt – ich schlage noch! –

Verliebt in diese Stadt:

Wo waren doch meine Augen früher?





May you be blessed, the long-expected spring!

16 10 2017

May you be blessed, this long-expected spring!

With your full-flowing unexpected brooks,

Your rustles, chirring, breaths and flap of wings,

And your concealed, confused and ardent looks.

 

May it be played in sharp and major keys

Your inexplicable and sparkling soul,

Your heat of life which longs to be released,

And to the partial prefers the whole.

 

May you last long, these long-awaited charms.

From underworld you come or from above?

The spell that strengthens me and still disarms:

You are so simple, and your name is love.





Letzte Liebe – Last Love – Übersetzung aus Tjutschew

2 07 2017

Ein Vorwort von mir:

Hier ist ein Versuch aus dem Jahre 2008, Tjutschews „Последняя любовь“, „Letzte Liebe“, ins Englische zu übersetzen. Auch wenn ich mittlerweile jahrelang wie aus Tjutschew´schem schwülen Reim herausgewachsen bin, ist dieses Stück von ihm ein Besonderes für mich. Es ist eigentlich meine poetische Niederkunft schlechthin.

Auf das Gedicht stieß ich dank dem Alexander II., russischem Kaiser 1855-1881, der gut über 60 sich in ein 18-jähriges Mädchen verliebte. Die historische Seite der Geschichte: er ließ sie im Kaiserpalais direkt über den Zimmern der Kaiserin wohnen, sie brachte 3 Kinder zur Welt, wurde nachdem der Kaiser selbst verwitwete, zu seiner morganatischen Frau, überlebte den Mann und noch halt paar dutzend andere Romanows… Romantische Seite von dieser Lovestory: Alexander durfte wirklich ordentlich reingeraten sein, in einem seiner Privatbücher, nämlich in einem Band mit Gedichten des berühmten russischen (Diplomaten und) Dichters Tjutschews fand man, angeblich vom Kaiser selbst, eben dieses Gedicht mit Bleistift unterstrichen.

Als ich also mit 14-15, Alexanders Biographie lesend, auf dieses Gedicht kam, löste es bei mir eine große poetische Manie aus. Ich las damals recht viel, wie es scheint, und, rückblickend, durchaus gute Dichter. Dem Tjutschew verdanke ich meine damalige Besessenheit mit Ahmatowa, Gumiljow und Block, die eigentlich jeder, der die Sprache lernt, mal auswendig lernen sollte, so unaufdringlich schön und musikalisch sie schrieben. Ohne damalige Entdeckung Tjutschews gäbe es für mich wohl auch keinen Wilde, Byron und Shakespeare, keinen Goethe und keinen Rilke. Auch das gesamte von mir gereimte Zeug habe ich letztendlich jenem kleinen Zitat in der Biographie von Kaiser Alexander II. zu verdanken. Lustig, es sieht so aus, als ob Geschichte für mich immer poetisch war.

Nun, lange Rede, kurzer Sinn. Hier kommt der Übersetzungsversuch aus dem Jahre 2008, den ich ausnahmsweise für durchaus gut halte, da er dem Stil des Originals folgt und auch metrisch wenn nicht ident, dann doch recht ähnlich aufgebaut ist.

 

Last love

Oh, what a love our hearts can know

When our days speed to the night!

Shine brighter, shine, the farewell light

Of my last love, of my last straw!

 

The shadow hides away the sky,

But still the West keeps shining pale.

Do stay with me, the latest day,

The latest charm before the night!

 

And though I wither, flowerlike,

Will never wilt my gentle passion.

The last of loves! – Love, kissing night –

You’re both a pleasure and desperation.





Morning Coffee – Aus der Naivitätensammlung

16 06 2017

Motion, motion, minutes flashing,

Glisten’ning, passing – far thee well!

Here you’re born – here rings the bell.

World of boredom, world of passion.

 

Little time, less use we running,

Winning, failing, flying high,

Falling badly, shining bright –

Darkness scaring, silence stunning.

 

Never losing, never finding.

Humans? – Silly twirling flock,

Dancing to the Ragnarǿk.

What a circus! Helpless. Funny…

2009





Tertius… scriptat – Aus der Naivitätensammlung

29 05 2017

Duobus litigantibus, tertius gaudet scriptat

The world goes round, we come and pass.

The grain of states runs up – and dies.

The first today – will kiss the dust.

Tomorrow’s truths – tomorrow’s lies…

 

Old idols fall – new ones rise high.

Saint Justice rules – yet can be bribed.

The two will never stop their fight –

The Third will watch. And will describe.

2008





Schrei-b!

19 05 2017

Schrei!

Aus den ganzen Lungen, und mit beiden Händen

Schlag wütend gegen jene Wand,

Die drinnen steht

und staut

und hemmt

und kettet dich mit Angst

du tätest etwas falsch.

Vielleicht…

Schrei!

Brich ihn durch,

den Damm,

Sei endlich kühner,

Herrgott! – Im Namen deiner alten Reime,

Schreib!

 

Die Trommel deiner schräg geformten Seele,

Verstaubt,

verstellt,

verscheut,

verstummt –

und trotzdem da!

Hol sie heraus und tue es einfach,

Schreib!

 

Schreib Kinderreime, Werbung, jeden Übungsschrott,

Der dir den langen Weg zurück erleichtert.

Schreib deine Suche, Unvernunft und Weisheit,

Den ewig alten Greis im frischeren Gehäuse

Deines zivilisierten, temperierten Körpers.

Aus all den hellen und den dunklen Ecken

deines so sonderbar geformten Ichs,

komm,

Schrei!