Grund-Sätze

11 12 2017

Alles besitzt seinen Grund:

Jede Musik und Stille,

Seele und tiefster Schlund,

Hitze und Kühle,

krank und gesund,

Wölbung und Rille,

eckig und rund,

Santi und Schiele,

Jeder Verlust und Fund,

Ohnmacht und Wille:

Letztlich hat alles Grund.

 

 

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Dschinn

7 12 2017

Ein Hauch des Atems,
kaum bemerkbar in der klaren Luft des frühen Morgens.
Ich habe keine feste Form,
ich bin kein Mensch,
du kannst mich nicht berühren:
Es geht nicht. Denn
ich bin ein Hauch,
ein Atemzug,
nicht mehr.

Ein kleines bisschen Wärme,
stumm und lächelnd,
die Augen sprechen mehr als es die Lippen könnten,
die Augen sprechen Welten,
blick mich an,
tritt ein,
ich öffne dir die Tür,
tritt weich voran,
du trittst auf meinen Träumen –
wie schön war das, was für ein weiser Vers –
von Menschenhand geschrieben.
Menschen… Menschlich…

Ich wäre gern ein Mensch.
Weißt du,  so einfach: Mensch! –
Ich möchte´s – ah! – so endlos gern:
Langsamer denken
und ein bisschen stumpfer fühlen,
ein wenig wen´ger sein, und doch zugleich viel mehr!

Ich möchte wissen, wann man lacht und trauert,
wem man die Hand reicht und vor wem sich scheut,
Wie man das Maß entdeckt und nichts vermisst,
Von maßloser Mäßigkeit des Seins erschlagen.

Ich wüsste es so gerne, wie man mal die Augen schließt,
Und Ruhe findet, plötzlich fromm und leise.
Und keine Universen vor sich ziehen sieht,
Vergangenheit und Zukunft, tief verflochten,
Noch Heute oben drein,
nach links gedreht,
grobkörnig, bunt und biegsam,
irreführend,
verrückt und so betörrend,
unbegreiflich schön –
Wie ein Tibetteppich Lasker-Schülers!

Ich wüsste´s gern wie man die Augen schließt,
Und bringt den Geist zu solchem leisen Schlummern,
Dass dieser Geist nicht wacht, und lässt dich leben:
wie man den Körper schmilzt und doch erhalten bleibt…

Ich wär´ so gern ein Mensch…





Aus der Naivitätensammlung – meine Madonna

4 12 2017

Und heute wieder – ein altes Bild, gezeichnet als ich ungefähr 15-16 war. Es gehört gesagt, ich wurde in einer absolut weltlichen Familie der „theoretisch“ russisch-orthodoxen Christen aufgezogen. Meine Elternfamilie ist nämlich soweit unreligiös, dass ich aus den Enzyklopädien zur Kirchen- und Kulturgeschichte die Hauptnarration der Bibel lernen musste. Und zugleich auch die muslimische, judäische, buddhistische Narration und ein Haufen polytheistischen Lebensanschauungen (das Wissen über die griechische Mythologie hilft übrigens sehr beim Kreuzworträtsel-Lösen).

Um das noch klarer zu machen, maturiert habe ich auch nicht in Österreich, fern von den prächtigen Gemälden im KHM und in den zahllosen katholischen Kirchen. Ein Kreuz in einem Klassenzimmer löst bei mir nach wie vor eine leichte Verwirrung aus – was hat doch bitte Religion in einer weltlichen Schule verloren? Aber die Rede ist heute von etwas anderem.

Aus der gesamten Weltlichkeit und Unreligiösität meiner Erziehung reimte sich ein gewisser stiller Respekt zusammen, Respekt vor dem unaufdringlichen Glauben welcher auch immer konfessionellen Prägung. Mit 13 „erfand“ ich mir selbst eine Art Glauben, lose gebunden an die heutige christliche Tradition, aber ohne ausgrenzende Elemente. Das Bild entstammt dem intensiven Nachdenken und summiert, glaube ich, dieses unbetrübte Gefühl der Ruhe und des Friedens, wenn man einer so heiklen Sache unvoreingenommen und relativ rein begegnet.

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Porträt

30 11 2017

Bin beim Aussortieren der Fotos auf ein Foto meines Großvaters gestoßen. Fasziniert von dieser Ausstrahlung, musste ich natürlich sofort zum Bleistift greifen…

Opa





Human

27 11 2017

Take it out, this human heart! –

Acid running through the veins,

Word by word, each slamming hard –

Soar and puzzled, it beats in vain.

 

Turn them off, these grips of pain.

Prey to nauseating reason.

Shush you heart and use your brain.

Peace and comfort? No one needs them.





Impressions of Self

23 11 2017

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Split

20 11 2017

Waltzing on the weightless ice,

Racing rage of rumbling reason:

Shingles sharp and thought concise,

Hazy thirst that can´t be seasoned.

 

Fever of the restless mind,

Wild, unchained, it raids ashore,

Whilst this quiet child inside

`s seeking for an exit door.

 

Singing gospels, see! – she flees:

Joyfully escapes her prison,

Blissfull smile across her lips,

Barefoot, numb, yet finally peacefull.