…du hast so viel – zu viel am Herz…

19 04 2018

Du hast so viel – zu viel am Herz,

mein Kind! –

mein armes glückliches,

mein dummes kluges Kind.

Du bist zwar stark, doch hast du Angst vor Schwäche,

Angst vor Verletztheit, die du tief in dir versteckst,

Verletztheit, die du nie gelernt,

doch immer hattest.

Hellhörigkeit der Seele,

Das wahnhaft schmerzliche Empfinden,

die du so schön gelernt hast auszublenden,

dass du es manchmal nicht mehr merkst,

du fühlst noch irgendetwas…

 

Du glaubtest schon, du bist geheilt von deinen wilden Träumen,

Von Melodien ohne Ton und Klang,

Vom Zeichnen ohne Linien,

Vom Jucken in den Fingern –

schaffen!

schaffen!

schaffen!

Befreien aus dem Nichts, ins Leben rufen!

Verstummte Silhouetten, die lebendig werden,

Das ist das endliche Erwachen

der Steine, von dem mal Rilke sprach…

Du hast so viel am Herz, mein liebes Kind.

 

Pass auf bei all dem Sturm, der langsam wiederkommt,

und du erschauderst, ihn antizipierend,

Pass auf, dass dir dein überfülltes Herz,

das hungerte so elend lange,

dass dir dein Herz vor Glück und Rausch nicht platzt…

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Es ist alles verknüpft…

9 04 2018

Es ist alles verknüpft! Alles wandert und fließt,

transformiert seine Kanten in Kreise und Kurven,

Immer neue Gesichter und neue Figuren

Aus dem alten Gefüge, wo immer man´s liest.

 

Wer hat Augen, der sieht wie sich alles vermischt.

Neue Sterne entstehen aus alten Plejaden,

Bunt und üppig verkleidet: Gedankenparade,

Wo kein einziger Funken in Lethe erlischt.

 

Alle einzelnen Striche, so klar souverän,

All unsichtbare Fäden des menschlichen Wissens

Knüpfen irgendwo an. All Gedanken und Schlüsse

Weben sich in ein Muster zusammen, makaber und schön.

 

Wer dem Muster der Dinge ein paar mal gelauscht,

Bleibt von seiner beweglichen Schönheit berauscht.

 

*Dieses von Form und holistischem Inhalt her eher klassisch anmutende Gedicht ist durch die Schönheit der immer wiederkehrenden Gleichmäßigkeiten und Verknüpfungen zwischen den diversesten Elementen des dreimdimensionalen Netzes begeistert. Mahlzeit 🙂

 

 





Das ist die Freiheit…

2 04 2018

Das ist die Freiheit:

außer sich sein, außer eig´ner Grenzen,

weit über die Kanten reichen,

weit über Seitenränder, dorthin,

wo Wiesen so wahnsinnig riechen

nach dem Staub und frischen Regentränen der vergang´nen Nacht.

Der Nacht, die wieder kommt,

umhüllt, zerquetscht in ihrem tröstlich hoffnungslosen Griff.

die Nacht, die einem heimlich flüstert

am Ohr vorbei direkt ins Hirn,

direkt ins Herz:

sie kommt bald wieder,

fürcht´dich nicht,

es ist nichts schlimmes dran,

es ist nur… wie Kontrolle aufzugeben.

Wie nimmer überprüfen zu müssen,

ob der Wasserhahn nicht leckt,

die Tür gesperrt ist und ob der Schlüssel in der Tasche ist.

Nimmer aufpassen müssen wie man blickt und wie man atmet,

und wen man mögen darf.

Die Nacht ist es, die Hoffnung aufzugeben

und einfach sein:

über die Grenzen reichen,

weit über die eignen Kanten schauen,

in die breite Welt:

die Freiheit…





Between the lines

29 03 2018

Lost so deep between the lines,

Far too smart for implications,

For unwise insinuations

Far too earnest, far too fine.

 

Lines with lead still feel so light,

Following your shapes. No touching.

Modest, decent. Am I blushing? –

When the lines collide…





So manches sagt man nicht

26 03 2018

So manches sagt man nicht und glaubt es nicht zu fühlen:

Solange nicht das Heimliche über die Lippen kommt,

Solange es den Damm nicht bricht, solange es nicht ströhmt,

So lange, dem Papier nicht anvertraut, kommt es nicht in Erfüllung.

 

So schweigt man, denn man lebt von kleinen Freuden:

Vertrautes Lächeln im halbblinden Abendlicht.

Was ich nicht sage, existiert halt nicht! –

Wie herrlich einfach und wie unendlich öde…

 

 

 





Last Friday

22 03 2018

Last Friday, just about noon,

When people pack and throw themselves

Out of their Windows and afloat into the rest of

one more weekend:

yet another more.

Last Friday, as I spread my wings and savoured

The early nauseating air of spring,

Spring, pregnant with unbearable beauty of the life to come,

with all the hope and hormones waking up,

while birds don´t trust themselves to sing. Not yet! It is too early!

Last Friday, stretched between the worlds,

between the words,

between my thoughts, so quick and ruthless,

between the common sense – and senses,

between the holy spring and holy Reason,

I desperately lost myself.

 





A bee

19 03 2018

A bee on a flower

The other and other – late spring

Oh so much work now!

Bild 301

Photo: AS, 2009