…du hast so viel – zu viel am Herz…

19 04 2018

Du hast so viel – zu viel am Herz,

mein Kind! –

mein armes glückliches,

mein dummes kluges Kind.

Du bist zwar stark, doch hast du Angst vor Schwäche,

Angst vor Verletztheit, die du tief in dir versteckst,

Verletztheit, die du nie gelernt,

doch immer hattest.

 

Hellhörigkeit der Seele,

Das wahnhaft schmerzliche Empfinden,

die du so schön gelernt hast auszublenden,

dass du es manchmal nicht mehr merkst,

du fühlst noch irgendetwas…

 

Du glaubtest schon, du bist geheilt von deinen wilden Träumen,

Von Melodien ohne Ton und Klang,

Vom Zeichnen ohne Linien,

Vom Jucken in den Fingern –

schaffen!

schaffen!

schaffen!

Befreien aus dem Nichts, ins Leben rufen!

Verstummte Silhouetten, die lebendig werden,

Das ist das endliche Erwachen

der Steine, von dem mal Rilke sprach…

 

Du hast so viel am Herz, mein liebes Kind.

 

Pass auf bei all dem Sturm, der langsam wiederkommt,

und du erschauderst, ihn antizipierend,

Pass auf, dass dir dein überfülltes Herz,

das hungerte so elend lange,

dass dir dein Herz vor Glück und Rausch nicht platzt…

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Das ist die Freiheit…

2 04 2018

Das ist die Freiheit:

außer sich sein, außer eigener Grenzen,

weit über die Kanten reichen,

weit über Seitenränder, dorthin,

wo Wiesen so wahnsinnig duften

nach Staub und frischen Regentränen der vergangenen Nacht.

 

Der Nacht, die wiederkommt,

umhüllt,

zerquetscht in ihrem tröstlich hoffnungslosen Griff.

 

die Nacht, die einem heimlich flüstert

am Ohr vorbei direkt ins Hirn,

direkt ins Herz:

sie kommt bald wieder,

fürchte dich nicht,

es ist nichts Schlimmes dran,

es ist nur… wie Kontrolle aufzugeben.

 

Wie nimmer überprüfen zu müssen,

ob der Wasserhahn nicht leckt,

die Tür gesperrt ist und ob der Schlüssel in der Tasche ist.

Nimmer aufpassen müssen wie man blickt und wie man atmet,

und wen man mögen darf.

 

Die Nacht ist es, die Hoffnung aufzugeben

und einfach sein:

über die Grenzen reichen,

weit über die eignen Kanten schauen,

in die breite Welt:

die Freiheit…





…und du glaubtest…

19 12 2017

…und du glaubtest dich ernst für geheilt? –

Denn… dein Herz schlug doch ruhig und leise,

Unterworfen durch strenges „Vorbei!“

Deiner elend vernünftiger Weisheit.

 

Du erhofftest dir Frieden und Schlaf? –

Siehe nun! Unverhoffte Begegnung… –

Durch die törichte Wärme bestraft

Und durch sie doch zugleich auch gesegnet.





Sommer in der Stadt

19 10 2017

Sommer in der Stadt:

Zucker, Benzin und Parfüm in der zitternden Luft,

Der Gehsteig glüht vor Hitze.

Eine junge Frau im samtenen Kleid –

eine fließende Kurve zum Staunen.

Ein Kind blickt mich an

durch die Lokalvitrine,

nachdenklich und naiv, so unbekümmert rein –

Ein kleiner Weiser! –

Und ich muss lächeln…

 

Bewegung überall: ein Werktag,

hin und her und wieder zurück,

den Geschäften nach,

Alles bebt

Und fließt

Und atmet

Frei…

So schön ist das!

Ich bin am Leben!

Das Herz schlägt – ich schlage noch! –

Verliebt in diese Stadt:

Wo waren doch meine Augen früher?





In-spira-tion (…ruhelos wand´re ich die Wege…)

21 08 2017

Ruhelos wand´re ich die Wege:

auf und ab,

weiter fort,

immer weiter

und weiter…

Mit stoischer Miene und manchmal auch Lächeln,

vom Motiv zu Motiv,

vom Gesicht zu Gesicht,

Straße nach links,

Straße nach rechts,

von A zu B

und C und D,

ewig suchend und

nie ankommend.

Nirgends und nie.

Abends, im Bett liegend,

Dem Körper horchend,

Frage ich mich selbst,

 – Fragen mich meine Füße und Waden –

Wohin mit all dem Schwung?

Mit Wucht und Energie,

Mit all dem Herz,

Zu wem? Und welchem Himmel nach?

 

Ach, was sind schon diese Füße!

 

Es kocht da drin´im Kopf und Brust,

Tausend Eindrücke in einem Stück!

Tausend Gesichter,

Düfte und Lichter,

Töne und Stoffe:

Im Überschuß!

Ständig im Fluß,

Finger, den Wind umklammernd,

Raus aus Gehegen und Kammern,

Augen weit offen,

Seele in Flammen –

Atmen und hoffen –

Amen!

Ah, du, mein schönes Leben…





Schmetterling

17 05 2017

Ein bunter Splitter glänzt mich fröhlich an.

Was bist du denn? – Ob Farboase?

Ob ungezähmte Aquarelextase?

Verlor´nes Herz einer barocken Vase? –

Ein Schmetterling in meiner stillen Hand.





Vergänglichkeit! Wie bunt…

5 05 2017

Vergänglichkeit. Wie bunt ist dieser Sommer,

Wie süß die Trauben meiner frischen Skizzen!

Entwürfe, Reime, Muster und Gesichter,

Aufm Kassenbon gekritzelte Notizen,

All die Begeisterung, all diese Wonne –

Es blüht, es quillt! – und morgen schon Geschichte…