…du hast so viel – zu viel am Herz…

19 04 2018

Du hast so viel – zu viel am Herz,

mein Kind! –

mein armes glückliches,

mein dummes kluges Kind.

Du bist zwar stark, doch hast du Angst vor Schwäche,

Angst vor Verletztheit, die du tief in dir versteckst,

Verletztheit, die du nie gelernt,

doch immer hattest.

 

Hellhörigkeit der Seele,

Das wahnhaft schmerzliche Empfinden,

die du so schön gelernt hast auszublenden,

dass du es manchmal nicht mehr merkst,

du fühlst noch irgendetwas…

 

Du glaubtest schon, du bist geheilt von deinen wilden Träumen,

Von Melodien ohne Ton und Klang,

Vom Zeichnen ohne Linien,

Vom Jucken in den Fingern –

schaffen!

schaffen!

schaffen!

Befreien aus dem Nichts, ins Leben rufen!

Verstummte Silhouetten, die lebendig werden,

Das ist das endliche Erwachen

der Steine, von dem mal Rilke sprach…

 

Du hast so viel am Herz, mein liebes Kind.

 

Pass auf bei all dem Sturm, der langsam wiederkommt,

und du erschauderst, ihn antizipierend,

Pass auf, dass dir dein überfülltes Herz,

das hungerte so elend lange,

dass dir dein Herz vor Glück und Rausch nicht platzt…

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Schrei-b!

19 05 2017

Schrei!

Aus den ganzen Lungen, und mit beiden Händen

Schlag wütend gegen jene Wand,

Die drinnen steht

und staut

und hemmt

und kettet dich mit Angst

du tätest etwas falsch.

Vielleicht…

Schrei!

Brich ihn durch,

den Damm,

Sei endlich kühner,

Herrgott! – Im Namen deiner alten Reime,

Schreib!

 

Die Trommel deiner schräg geformten Seele,

Verstaubt,

verstellt,

verscheut,

verstummt –

und trotzdem da!

Hol sie heraus und tue es einfach,

Schreib!

 

Schreib Kinderreime, Werbung, jeden Übungsschrott,

Der dir den langen Weg zurück erleichtert.

Schreib deine Suche, Unvernunft und Weisheit,

Den ewig alten Greis im frischeren Gehäuse

Deines zivilisierten, temperierten Körpers.

Aus all den hellen und den dunklen Ecken

deines so sonderbar geformten Ichs,

komm,

Schrei!