Nachtwache

25 06 2018

Humor und Weisheit nutzen letztlich nichts,

Wenn ich in tiefster Nacht unruhig wache,

Mit Mühe atme, sehne mich nach Licht,

Und meine alten, nie bekämpften Drachen

Sind wieder da…

Im trostlosen Zwielicht

Sie treten weich voran,

umkreisen mich,

Und ihre schattigen Gesichter lachen…

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Schreiben – Aus der Naivitätensammlung. 2009

5 03 2018

 

Zu schreiben

An jemanden, der es nie lesen wird,

Niemals und nirgends –

Zu schreiben allein wegen des Schreibens selbst,

Ob deswegen, dass sich die Tinte so schön aufs Papier legt? –

Wegen des Prozesses, des Genusses am Schreiben.

 

Du, meine verlorene Seele,

Ein Kind, das durch Puppenschmerzen erwachsen wird,

Das womöglich erst jetzt die Tiefe des Flusses begreift,

Am Ufer stehend.

Wie sehr kratzen die Kiessteine zarte Kinderfüße!

So klein sind sie,

So sinnlos,

Und doch tun sie so weh.

Und es will, wie sehr will es eintauchen,

Die unwiderstehliche Anziehungskraft des Unbekannten,

Wenn da drinnen jemand neuer aufwacht,

Neu und unbegreiflich.

Es zieht, zieht so sehr an – und doch ist jeder Schritt unbekannt,

Die Mama sagte doch immer…

 

Ich weiß, was da kommt.

Das haben mir die fremden, bemitleidenden Gesichter vorausgesagt,

Gesichter, voll ausgebleichten Mitgefühls.

Es kommt trübes Chromwasser,

Tagtäglicher Trank – abscheuliche chemische Brei –

Alltag. Es klingt wie eine Diagnose.

Laufbahn. Grammophonnadel,

Die Schritt für Schritt auf dem nagelneuen Vinyl meiner Seele

Kratzer der Lebenserfahrung hinterlässt.

Ein Tag mehr,

Ein Mensch mehr –

Ist doch alles so egal…

„Es gibt keinen Unterschied, ob du mit 30 oder mit 70 stirbst“ –

Danke an Camus

Und Sartre!

Dank denen springt das Kind nicht – es geht ganz langsam rein

In die Strömung der ungeordneten Partikeln,

Dieser Überreste des Sinnes und der Emotionen.

 

Zu schreiben an jemanden und ins nirgends. Ohne es mal zu wissen, was aus dem Schreiben wird.

Ein Bewusstseinstrom? Delirium? Schmerz?

Irgendwie schmerze ich fast nicht mehr…