Aus der Naivitätensammlung – Мне век минул (Ich bin ein Hundert Jahre alt…)

10 12 2018

Übersetzung folgt unten.

Мне век минул, а я как прежде

Вдыхаю грудью ветер свежий,

Любуюсь раннею весной

И вспоминаю о надеждах,

О жизни прошлой, молодой…

Я столько знаю, Боже мой!

 

Я помню столько лиц и масок,

Поступков, нужных и напрасных.

Я помню всех моих друзей…

И этих светлых, грустных красок

Не выкрасть из души моей

Как и тоски последних дней.

 

Кто помнит ныне, чем мы жили,

О чем мечтали, как любили?

Лишь в старом сквере тополя,

На книжных полках насыпь пыли,

Лишь звон беспечного ручья

И снова я, – о, Боже! – я…

2006

Ich bin einhundert Jahre alt, und doch wie früher

Atme ich die frische Luft wieder ein,

Genieße den beginnenden Frühling,

Und denke an all die Hoffnungen,

Über das vergangene junge Leben,

Mein Gott, wie viel weiß ich eigentlich!

Ich erinnere mich an so viele Gesichter und Masken,

An Taten: nötig und sinnlos,

Ich erinnere mich an meine Freunde,

Und diese hellen traurigen Farben

Kann man aus meiner Seele nicht herauslöschen,

Genauso wie die Tristesse der letzten Tage.

Wer weiß noch heute, wie wir lebten,

Wovon wir schwärmten, wie wir liebten?

Nur die Pappeln im alten Park,

Ein Haufen Staub im Bücherschrank,

Das Singen des Wassers im Bach

Und ich… – Mein Gott! – ich…

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Tritt mal näher…

9 05 2017

Hier wieder ein Fundstück aus meiner Naivitätensammlung: mein altes Gedicht aus dem Jahre 2006. Unten, wie immer, mein aktueller Versuch, den russischen Text halbwegs verdaulich zu übersetzen – obwohl mir noch bei weitem das Zeug zur poetischen Übersetzung fehlt, was man insbesondere bei eigenen Gedichten merkt. 

Подойди, прошу, поближе.

В предрассветной тусклой тьме

Ничего вокруг не вижу.

Посвети, мой светлый, мне.

 

Под ладонью бьется сердце

Упоительно спокойно.

Две цикады по соседству

Песню щелкают нестройно.

 

Мне блаженство просыпаться

У тебя в руках с рассветом!

И за что такое счастье

Мне дано на этом свете?..

 

Vorläufige Übersetzung: 

Komm, ich bitte, tritt mal näher.

Hier, im schwachen Morgenlicht

Seh´ ich nichts um mir. Mein Heller,

Wirf auf mich ein wenig Licht!

 

Und dein Herz berauschend ruhig

Schlägt in meiner Hand.

Zwei Zikaden zirpen fröhlich

Hinter Zimmerwand.

 

Dieses Glück des puren „wir“! –

Heiter wie ein Kind.

Und dann frag ich mich noch: wie

Hab ich dich verdient?