Hoffnung

14 05 2018

Die Hoffnung. Das sehnsüchtige Verlangen

Nach einem Morgen, wenn das Heut´ zusammenbricht.

Die Saat, die, niemals gänzlich aufgegangen,

Noch nicht gekeimt und doch zugleich vergangen,

Vernunft zu Trotz noch immer strebt nach Licht.

 

Aus transzendentem Schmerz, einseitig bindend,

Mit nie erlebtem Gott geschlossener Vertrag:

Man gibt sich auf, man fügt sich Tag für Tag,

Dafür, dass Er in Seinem Jenseits einem Seelenwrack

Seinen nie ruhenden, endlosen Kummer lindert.

 

Teil unsrer Entropie, die sich nicht mindert.

Sie trügt zum Heitersein im allerschlimmsten Jetzt,

Man lebt so leicht, von ihrem Widerschein verhext.

Dem Lebenden sein trotzigster Reflex:

Die Hoffnung. Unsre allerbest´ Erfindung.

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Jeder ist allein

30 04 2018

Jeder ist allein… – Ewig und immer.

Trotz all den mitfühlenden Stimmen,

Die einen zu trösten suchen…

Nein!

Wie der letzte sprachlose Stein

Unter dem schweigenden Himmel,

dem so herrlich gleichmütigen,

dem so unantastbaren,

dem es so völlig gleichgültig ist,

ob du ein Mensch oder Stein warst…

 

Und wenn dir dein Herz einmal barst

Beim Erkennen deines Alleinseins:

Wisch deine Tränen weg: das war es,

Es kommt nimmer viel zu wissen,

zu denken, zu fürchten, zu sein:

Jeder auf eigene Weise:

Ob schreiend, ob lachend, ob leise,

Jeder ist immer einsam.

Jeder ist allein.





Es ist alles verknüpft…

9 04 2018

Es ist alles verknüpft! Alles wandert und fließt,

transformiert seine Kanten in Kreise und Kurven,

Immer neue Gesichter und neue Figuren

Aus dem alten Gefüge, wo immer man´s liest.

 

Wer hat Augen, der sieht wie sich alles vermischt.

Neue Sterne entstehen aus den alten Plejaden,

Bunt und üppig verkleidet: Gedankenparade,

Wo kein einziger Funke in Lethe erlischt.

 

Alle einzelnen Striche, so klar souverän,

All unsichtbare Fäden des menschlichen Wissens

Knüpfen irgendwo an. All Gedanken und Schlüsse

Weben sich in ein Muster zusammen, makaber und schön.

 

Wer dem Muster der Dinge ein paar mal gelauscht,

Bleibt von seiner beweglichen Schönheit berauscht.

 





Abendgedanken. Aus dem Alltag der Sozialbranche.

6 11 2017

Ich bin dabei.

Bin ziemlich gern dabei:

Ich lernte es, den Menschen zuzusehen

Und deren Leben aus den Handbewegungen,

Kopfschütteln,

Atemrhythmus,

Augenglanz zu lesen.

Ich weiß es nun, wie manche heimlich weinen,

Wie manche toben aus dem nichtigen Anlass,

Wie manche – trinken Tee und reden,

Man tötet Lebenszeit und wartet, wartet, wartet…

 

Sie machten mich erwachsen… Reifer, stärker…

Ich hätte mir den Anblick auch erspart:

Gejunkte Frau, mit ihrem Fernseher redend,

Die Welt beschimpfend, kantig und durchtränkt mit Hass

Zu Allen und zu sich selbst in diesen Allen.

Die Andere, die gerne Karten spielte

Und Tulpen mochte, ganz genau wie ich,

Die arme Seele! – und ich musste weinen,

Als sie auf Intensiv zu meiner Hande griff,

Entsetzt durch die Wahrnehmung, dass sie sterben würde…

 

Sie machten mich erwachsen: Kinder, katatonisch weinend, –

Noch schlimmer ist es wenn sie fröhlich sind!

Man kann das Herz nicht schließen,

– mit den Kindern kaum.

Du lernst sie lieben: das Gewicht auf deinem Arm,

Geruch der Haut und Glänzen ihrer Augen,

Wie sich das Haar anfühlt, wenn du mal drüber streichelst,

Wie du mit deinen pädagogischen Ansätzen baff da stehst,

Und manchmal, fasziniert von elterlicher Weisheit,

Berührt und staunend Menschen still zusiehst –

Und sie sind weg.

In einem Atemzug.

Für immer.

Du sucht nach Luft.

Nun bist du hinterblieben. 

 

Erzählt uns, dass wir böse Menschen sind.

Wir schützen uns wie es nur geht. Vergeblich.