Should

1 02 2018

Like this weightless scent of cold and fir

Seeping through the closed doors on Christmas Eve.

Like a stubborn streak of water,

Leaking from beyond a damm.

So untimely,

Unwelcomed,

Unthinkable –

 

Oh Lord! Shouldn´t I

rather

Wear my cloak of despicable naivete,

of deliberate unseeing,

seeing past the obvious? –

Seeing past the scents,

the sense,

the essense?

I should, indeed.

Perhaps…

 

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Sommer in der Stadt

19 10 2017

Sommer in der Stadt:

Zucker, Benzin und Parfüm in der zitternden Luft,

Der Gehsteig glüht vor Hitze.

Eine junge Frau im samtenen Kleid –

eine fließende Kurve zum Staunen.

Ein Kind blickt mich an

durch die Lokalvitrine,

nachdenklich und naiv, so unbekümmert rein –

Ein kleiner Weiser! –

Und ich muss lächeln…

 

Bewegung überall: ein Werktag,

hin und her und wieder zurück,

den Geschäften nach,

Alles bebt

Und fließt

Und atmet

Frei…

So schön ist das!

Ich bin am Leben!

Das Herz schlägt – ich schlage noch! –

Verliebt in diese Stadt:

Wo waren doch meine Augen früher?





Gesichter

21 09 2017

Und sie gingen… Rannten mir durch die Finger.
All die Gesichter, all die Momente,

Bauklötzchen aus dem früheren Leben,

Aus dem Leben, das der Jugend gebührt,

dem reifenden Herz vorbehalten.

 

Sie gingen, chacun à son gout.

Eine – leise,

mäuschenstill,

So dass erst ihr Abgang

betäubend laut schrie,

So dass die Gläser im Schrank zersprangen! –

Wie sinnlos! wie früh! wie unfair!

 

Auch die Andere schwieg eine Weile,

– bis das Rettungsboot vorbei war,

und dann

brach die Panik aus.

Sie merkte: sie hatte jemanden,

sie wollte doch noch nicht gehen.

Wie ein Ertränkender das Wasser schlägt:

– Hilfe! Hilfe! Ich bin hier! Kommt zurück! Hi… –

Und keinen Halt mehr findet…

 

Auch sie gingen: er und er und sie,

Natürliches Ableben, sagt man,

Kreis des Lebens…

Doch das war ja mein Herz in diesem Kreise!

Jeder hatte seinen Gang, seinen Stil, sein Ende…

 

Das langsame Abblühen eines launischen Greises,

Der ständig nach Hilfe rief

und sie niemals annahm,

er drohte und raunzte und witzelte dich bis zum Weinen –

Als er ging, wuchs aus dieser Hülle

Wieder der Held meiner vaterlosen Kindheit…

 

Sie ging erhobenen Hauptes,

Stolz und bescheiden zugleich.

Stark und so warm und wärmend…

Ein Leuchtturm, Symbol der Hoffnung

Bis zum letzten Atemzug –

Wie gerne hielte ich ihre Hand!

 

Viele Gesichter waren zu tragen mir auferlegt,

Die Lebenswege Anderer flechten sich ein in den Meinen.

Die Finger frieren. Wie früh sie gingen!

Und ich muss immer weiter fort…





Schrei-b!

19 05 2017

Schrei!

Aus den ganzen Lungen, und mit beiden Händen

Schlag wütend gegen jene Wand,

Die drinnen steht

und staut

und hemmt

und kettet dich mit Angst

du tätest etwas falsch.

Vielleicht…

Schrei!

Brich ihn durch,

den Damm,

Sei endlich kühner,

Herrgott! – Im Namen deiner alten Reime,

Schreib!

 

Die Trommel deiner schräg geformten Seele,

Verstaubt,

verstellt,

verscheut,

verstummt –

und trotzdem da!

Hol sie heraus und tue es einfach,

Schreib!

 

Schreib Kinderreime, Werbung, jeden Übungsschrott,

Der dir den langen Weg zurück erleichtert.

Schreib deine Suche, Unvernunft und Weisheit,

Den ewig alten Greis im frischeren Gehäuse

Deines zivilisierten, temperierten Körpers.

Aus all den hellen und den dunklen Ecken

deines so sonderbar geformten Ichs,

komm,

Schrei!





Infinitamente

11 05 2017

Infinitamente.

Du bist nicht mehr…

Tot! Tot! Tot! So heißt es bei den kopfreifen Menschen!

Was kann doch einfacher sein, als diese drei Laute über die Lippen zu bringen

Ausstoßen

Fertig!

Tot!

Tot.

Was kann doch schwerer sein, als diese drei…

Du lebst nicht mehr.

 

Als du gingst…

Starbst, es heißt „sterben“! Sterben!

Hab Geist um das zu sagen: „Sterben“!

– Ruhe hier! Die Seele spricht.

Als du gingst, fühlte ich mich froh und zerschlagen zugleich

Froh? – Fast froh…

Ich wusste, du warst mit uns und doch alleine,

du warst

So alleine,

so unendlich alleine,

wie ich es jetzt ohne dich bin.

Du hattest uns und dieses schöne Leben

Aber nimmer Diejenigen, die deinen Weg prägten

Und ihn mitgingen…

Jetzt hattest du sie endlich bei dir.

Und sie hatten dich.

 

Ich stand da…

Stand?

Was soll das?

Du lagst entweder auf dem Boden

Oder saßest im Zimmereck

Selber zum Eck geworden,

Alle deine Kanten wieder sichtbar, keine Haut, nur Ecken, Winkel und gebroch´ne Linien.

– Ruhe hier! Die Seele spricht!

 

Als du gingst, da stand ich und dachte,

Farewell,

Gott sei mit dir,

Sei endlich mal frei,

Jetzt kannst es loslassen.

Jetzt musst – endlich mal! – nimmer stark sein.

Wie hast du es geschafft:

den Weg gegangen zu sein und dein Rückgrat behalten zu haben,

Ohne dass es zum Fragezeichen, zum gebrochenem Strich, wurde?

Deswegen sagtest du mir immer, ich soll doch gelegentlich den Kopf entladen,

man kann doch nicht immer denken, denken, tun, wieder denken,

man muss doch manchmal auch schwach sein dürfen,

ausatmen.

Jetzt kannst es dir wieder leisten.

 

Als du gingst, fühlte ich mich wie lebend enthäutet.

Ich wusste, dass es sein musste, und dass alles seine Zeit hat,

dass du dein Recht hattest, und dass ich es auch schaffen würde,

Tag für Tag, Jahr für Jahr mein Leben zu leben,

Meine Fehler zu machen, über sie zu wachsen,

aus meiner Haut hinaus und in die große Welt.

 

Ich schaffe es auch scheinbar nicht schlecht.

Zum Staunen ist es, wie ich jetzt brenne.

Aus den gebrochenen Linien kommt nun so viel Energie heraus,

Dass mir beinahe Blumen aus den Fingern wachsen.

 

Und wie gerne möchte ich glauben,

dass du gelegentlich rüberschaust und…

Du musst nicht einmal stolz sein,

Nein.

ich weiß es einfach, wie es ist

zwischen dir und mir.

Und, weißt, da drin ist immer ein Stückchen Platz,

der du bist.

Bis in die Unendlichkeit.