Man kann´s nicht wissen…

4 06 2018

Man kann´s nicht wissen! –

In die tiefste Schlucht der bitteren Verzweiflung mag man hier abrutschen.

Wie manche´s taten.

Jeder schwarze Schwann

Gleicht einem Terroranschlag auf den logischen Verstand:

Mag sein, die Sonne geht im Westen auf,

Mag sein, das Leben fängt beim Sterben an.

 

Immanuel vergrub sich, tiefst erschüttert,

In seinen Bücher, die er schließlich in die Fetzen schnitt,

Passage nach Passage alphabetisch ordnend,

So bitter er an dieser Leere litt.

 

Die schöne Seele eines Friedrichs hielt´s nicht aus:

Aus Sprachenlehre in die Suche nach dem Sinn

der Existenz:

alles ist sinnlos,

alles hin! –

Wie feierlich und traurig, sieh: die Sonne sinkt!

Foucault der Belle Epoque verendete im Irrenhaus.

 

Wer hätte es wissen können, wie es kommt…

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Es ist alles verknüpft…

9 04 2018

Es ist alles verknüpft! Alles wandert und fließt,

transformiert seine Kanten in Kreise und Kurven,

Immer neue Gesichter und neue Figuren

Aus dem alten Gefüge, wo immer man´s liest.

 

Wer hat Augen, der sieht wie sich alles vermischt.

Neue Sterne entstehen aus den alten Plejaden,

Bunt und üppig verkleidet: Gedankenparade,

Wo kein einziger Funke in Lethe erlischt.

 

Alle einzelnen Striche, so klar souverän,

All unsichtbare Fäden des menschlichen Wissens

Knüpfen irgendwo an. All Gedanken und Schlüsse

Weben sich in ein Muster zusammen, makaber und schön.

 

Wer dem Muster der Dinge ein paar mal gelauscht,

Bleibt von seiner beweglichen Schönheit berauscht.

 





Das ist die Freiheit…

2 04 2018

Das ist die Freiheit:

außer sich sein, außer eigener Grenzen,

weit über die Kanten reichen,

weit über Seitenränder, dorthin,

wo Wiesen so wahnsinnig duften

nach Staub und frischen Regentränen der vergangenen Nacht.

 

Der Nacht, die wiederkommt,

umhüllt,

zerquetscht in ihrem tröstlich hoffnungslosen Griff.

 

die Nacht, die einem heimlich flüstert

am Ohr vorbei direkt ins Hirn,

direkt ins Herz:

sie kommt bald wieder,

fürchte dich nicht,

es ist nichts Schlimmes dran,

es ist nur… wie Kontrolle aufzugeben.

 

Wie nimmer überprüfen zu müssen,

ob der Wasserhahn nicht leckt,

die Tür gesperrt ist und ob der Schlüssel in der Tasche ist.

Nimmer aufpassen müssen wie man blickt und wie man atmet,

und wen man mögen darf.

 

Die Nacht ist es, die Hoffnung aufzugeben

und einfach sein:

über die Grenzen reichen,

weit über die eignen Kanten schauen,

in die breite Welt:

die Freiheit…





So manches sagt man nicht

26 03 2018

So manches sagt man nicht und glaubt es nicht zu fühlen:

Solange nicht das Heimliche über die Lippen kommt,

Solange es den Damm nicht bricht, solange es nicht strömt,

Solange, dem Papier nicht anvertraut, kommt es nicht in Erfüllung.

 

So schweigt man, denn man lebt von kleinen Freuden:

Vertrautes Lächeln im halbblinden Abendlicht.

Was ich nicht sage, existiert halt nicht! –

Wie herrlich einfach und wie unendlich öde…





Schreiben – Aus der Naivitätensammlung. 2009

5 03 2018

 

Zu schreiben

An jemanden, der es nie lesen wird,

Niemals und nirgends –

Zu schreiben allein wegen des Schreibens selbst,

Ob deswegen, dass sich die Tinte so schön aufs Papier legt? –

Wegen des Prozesses, des Genusses am Schreiben.

 

Du, meine verlorene Seele,

Ein Kind, das durch Puppenschmerzen erwachsen wird,

Das womöglich erst jetzt die Tiefe des Flusses begreift,

Am Ufer stehend.

Wie sehr kratzen die Kiessteine zarte Kinderfüße!

So klein sind sie,

So sinnlos,

Und doch tun sie so weh.

Und es will, wie sehr will es eintauchen,

Die unwiderstehliche Anziehungskraft des Unbekannten,

Wenn da drinnen jemand neuer aufwacht,

Neu und unbegreiflich.

Es zieht, zieht so sehr an – und doch ist jeder Schritt unbekannt,

Die Mama sagte doch immer…

 

Ich weiß, was da kommt.

Das haben mir die fremden, bemitleidenden Gesichter vorausgesagt,

Gesichter, voll ausgebleichten Mitgefühls.

Es kommt trübes Chromwasser,

Tagtäglicher Trank – abscheuliche chemische Brei –

Alltag. Es klingt wie eine Diagnose.

Laufbahn. Grammophonnadel,

Die Schritt für Schritt auf dem nagelneuen Vinyl meiner Seele

Kratzer der Lebenserfahrung hinterlässt.

Ein Tag mehr,

Ein Mensch mehr –

Ist doch alles so egal…

„Es gibt keinen Unterschied, ob du mit 30 oder mit 70 stirbst“ –

Danke an Camus

Und Sartre!

Dank denen springt das Kind nicht – es geht ganz langsam rein

In die Strömung der ungeordneten Partikeln,

Dieser Überreste des Sinnes und der Emotionen.

 

Zu schreiben an jemanden und ins nirgends. Ohne es mal zu wissen, was aus dem Schreiben wird.

Ein Bewusstseinstrom? Delirium? Schmerz?

Irgendwie schmerze ich fast nicht mehr…





…und du glaubtest…

19 12 2017

…und du glaubtest dich ernst für geheilt? –

Denn… dein Herz schlug doch ruhig und leise,

Unterworfen durch strenges „Vorbei!“

Deiner elend vernünftiger Weisheit.

 

Du erhofftest dir Frieden und Schlaf? –

Siehe nun! Unverhoffte Begegnung… –

Durch die törichte Wärme bestraft

Und durch sie doch zugleich auch gesegnet.





Grund-Sätze

11 12 2017

Alles besitzt seinen Grund:

Jede Musik und Stille,

Seele und tiefster Schlund,

Hitze und Kühle,

krank und gesund,

Wölbung und Rille,

eckig und rund,

Santi und Schiele,

Jeder Verlust und Fund,

Ohnmacht und Wille:

Letztlich hat alles Grund.