… ich wollt´ so gerne…

25 01 2019

Ich wollt´so gerne deine Nymphe sein,

dein täglich Brot, dein Alpha und Omega…

 

Und diese ruhelosen, blind-naiven Augen

Dich wie die zum Verstummen schöne abendliche Sonne,

wie einen Götzen und wie einen Gott ansahen…

 

Und dieser Körper, plötzlich wach und weich,

schmolz durch die Finger meines baffen Geistes

Wie Seide fließt, wie Wachs, wie heißer Honig,

erschüttert durch die unbekannte Wonne,

durch dich erfunden und durch dich geformt…

 

Ich wusst´ nur nicht, in welche Form am besten

ich hin gehör´ um dir gerecht zu sein,

und ich bemühte mich so sehr, so trostlos und so trotzig,

so restlos und von niemandem gebraucht,

ich hab´ mich so bemüht und selbst dadurch ermüdet, –

zerbrochen an von niemandem gewünschten Traum, –

dass ich zu einem ewig kalten Stein erstarrte…

und stürzte ab…

 

(Juni 2018/Jänner 2019)

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Past

22 01 2019

I saw past the obvious.

Past all the traffic lights,

Screaming red,

throwing their desperate glances

across my way and into my face.

 

I saw past those tiny symptoms of overload,

of the ever-growing loneliness,

eternal existential alone-ness,

being lost between the lines of being kind,

nice, understanding, caring,

between the peacekeeping and appeasement.

 

I saw and felt all of it coming,

all of insomnia,

neck-ache, skin oversensitivity,

drawback, overreaction and bodily numbness.

I knew it all, and yet I saw past it,

How I wished to be blind!

And now it all passed…





Ich wollte…

16 01 2019

Ich wollte nicht eckig sein.

Ich wollte meine Kanten glatt bügeln.

Ich habe mich so bemüht.

Es ging nicht.

Nichts geht mehr.

Rien ne va plus.

Das Spiel ist aus.

War das alles ein Spiel?

 

Ich weiß, dass es Morgen gibt.

Ich habe mir versprochen, dass es eins geben soll.

Wohlweislich,

weil sie mich wieder anblicken,

sie blinzeln mich an,

sie lächeln und strahlen mir zu,

die Gleise vor jedem anfahrenden Zug.

 

Ich weiß, dass es Morgen gibt.

Es muss Morgen geben.

Es muss.

Ich weiß.

Weiß ich es?

Was kann man schon wissen?





Absturz

13 01 2019

Absturz…

Dieser Zug fuhr zu schnell,

Ungetrübt durch das Drücken und Ziehen und Zerren, –

was ist das schon alles,

alles kann man wegdenken.

kann man alles wegdenken?

nicht alles kann man wegdenken.

Weg! denken…

Bei der Kurve, die nicht einmal gefährlich war,

die Gefahr war ja schon fast vorbei,

fast gemeistert,

bei der Kurve, die nicht gefährlich war,

brannte die Sicherung durch,

Ventil geklemmt,

der Kessel flog durch den Raum

und zerplatzte

zerschlug alles

wild

weh

aus purer Verzweiflung

Weg…

Weg mit mir…

 

 





Aus der Naivitätensammlung – Как старый мастер… (wie alter Meister…)

17 12 2018

Wie ein alter Meister… – Übersetzung folgt unten

Как старый мастер после лет привычки,

Узнав фактуры все и все цвета,

Бывает потрясен штрихом обычным

И кротким с этим неизвестным став;

Как любят галатей пигмалионы:

Надежд не зная, мрамору верны,

Ему даря и ночи, и канцоны,

Недостижимостью любви ослеплены;

Как только грешники боготоворить умеют

Иконы строгие – со страхом прошлой тьмы,

С отчаяньем любя, глядеть не смея,

Былое безнадежно тщатся смыть,

Также и ты: неведомым распят,

Приговорен к нему, и им же свят.

2009

Wie ein alter Meister: nach Jahren und Jahren Gewohnheit,

Er kennt schon alles über die Faktur und Farben ein und aus – 

Kann durch einen simplen Strich erschlagen werden

Und durch das Unbekannte in dem Strich zur Scheue ermahnt;

Wie ein „pygmalion“ mit seiner „galateia“:

Dem Marmor ohne jede Hoffnung treu,

Ihm seine Nächte und Kanzonen schenkend,

Durch Unantastbarkeit der Liebe verblendet ist;

Wie armer Sünder eine Ikone anbeten könnte:

Den strengen Anblick – voll Angst vor sein vergangener Nacht,

Verzweifelt, Augen nicht hochhebend,

Und sucht vergeblich sich wieder rein zu mach´n. 

So bist auch du: gekreuzigt durch das Unbekannte,

Zu Diesem verurteilt und durch Dasselbe heilig. 





Lost in Translation – Meladze´s Иностранец (Foreigner) Ru>En

13 12 2018

This song literally ached to be translated and posted for so long. i think what Valery Meladze, an ethnic Georgian living and working in Russia, touched upon here, is a huge, enormously huge topic, much deeper than the visible top of the iceberg we usually get to see through our media. The initial struggle of finding oneself in the new social setting, even if the culture be quite comparable, is a peril enough, and one should speak of it again and again. This painful clumsiness of both rudeness and exaggerated politeness alike, I actually still wonder, what is more unnerving. 

What one hardly ever speaks of, and what this song reminds me of, is the next phase of „fitting in“, the sudden outward unmarkedness. The limbo of no longer being recognised as the former one, yet still clinging on to or formally depending on it. The unrecognisable foreigner inside, sitting in a merry round of colleagues who are hardly aware of having an „odd one out“ among them, and they are not particularly insulting (and, should I say, after years and years of hearing jokes about the presumable correlation between my ability to speak Russian ergo to digest alcohol, I really don´t care anymore)… Still this hyphenated-identity, this hybridity as Bhabha would put it… Sometimes, when the winter evenings grow particularly long, this „mother take me home“ appears quite relatable. 

Пробежала полоса, широка, бела,
Разделила небеса с горем пополам,
Заглушила голоса, замела глаза,
Утонула полоса в девичьих слезах.
Я знаю, все будет,
Забудьте, люди, я так больше не могу.
Подари мне первый танец,
Забери меня с собой,
Я повсюду иностранец,
И повсюду я вроде бы свой.
Словно лодка в океане,
Затерялся берег мой.
Я повсюду иностранец,
Забери меня, мама, домой.
Пробежала полоса, зверем залегла,
Расколола небеса на куски стекла,
Предложенья на слова, близких на врагов,
Материк на острова, бога на богов.
Я знаю, все будет,
Забудьте, люди, я так больше не могу.
Подари мне первый танец,
Забери меня с собой,
Я повсюду иностранец,
И повсюду я вроде бы свой.
Словно лодка в океане,
Затерялся берег мой.
Я повсюду иностранец,
Забери меня, мама, домой.
Подари мне первый танец,
Забери меня с собой,
Я повсюду иностранец,
И повсюду я вроде бы свой.
Словно лодка в океане,
Затерялся берег мой.
Я повсюду иностранец,
Забери меня, мама, домой.
A line flashed across, so broad and white,
It cracked the sky apart, somehow or other,
Muffled down the voices, blocked up the view,
And drowned in girls´ tears.
I know, everything will come…
Forget it, people, I can´t stand it anymore!
Give me your first dance,
Take me with you,
I am a foreigner everywhere,
And everywhere as if of “our own kind”.
Like a boat in an ocean,
I lost my coastline,
I am a foreigner everywhere,
Mother, take me home.
A line flashed across, went into ambush as a beast,
It cracked the sky into broken glass,
Sentences into words, the kin into enemies,
A continent into islands, the God into gods.
I know, everything will come…
Forget it, people, I can´t stand it anymore!
Give me your first dance,
Take me with you,
I am a foreigner everywhere,
And everywhere as if of “our own kind”.
Like a boat in an ocean,
I lost my coastline,
I am a foreigner everywhere,
Mother, take me home.
Give me your first dance,
Take me with you,
I am a foreigner everywhere,
And everywhere as if of “our own kind”.
Like a boat in an ocean,
I lost my coastline,
I am a foreigner everywhere,
Mother, take me home.




Aus der Naivitätensammlung – Мне век минул (Ich bin ein Hundert Jahre alt…)

10 12 2018

Übersetzung folgt unten.

Мне век минул, а я как прежде

Вдыхаю грудью ветер свежий,

Любуюсь раннею весной

И вспоминаю о надеждах,

О жизни прошлой, молодой…

Я столько знаю, Боже мой!

 

Я помню столько лиц и масок,

Поступков, нужных и напрасных.

Я помню всех моих друзей…

И этих светлых, грустных красок

Не выкрасть из души моей

Как и тоски последних дней.

 

Кто помнит ныне, чем мы жили,

О чем мечтали, как любили?

Лишь в старом сквере тополя,

На книжных полках насыпь пыли,

Лишь звон беспечного ручья

И снова я, – о, Боже! – я…

2006

Ich bin einhundert Jahre alt, und doch wie früher

Atme ich die frische Luft wieder ein,

Genieße den beginnenden Frühling,

Und denke an all die Hoffnungen,

Über das vergangene junge Leben,

Mein Gott, wie viel weiß ich eigentlich!

Ich erinnere mich an so viele Gesichter und Masken,

An Taten: nötig und sinnlos,

Ich erinnere mich an meine Freunde,

Und diese hellen traurigen Farben

Kann man aus meiner Seele nicht herauslöschen,

Genauso wie die Tristesse der letzten Tage.

Wer weiß noch heute, wie wir lebten,

Wovon wir schwärmten, wie wir liebten?

Nur die Pappeln im alten Park,

Ein Haufen Staub im Bücherschrank,

Das Singen des Wassers im Bach

Und ich… – Mein Gott! – ich…