Dschinn

7 12 2017

Ein Hauch des Atems,
kaum bemerkbar in der klaren Luft des frühen Morgens.
Ich habe keine feste Form,
ich bin kein Mensch,
du kannst mich nicht berühren:
Es geht nicht. Denn
ich bin ein Hauch,
ein Atemzug,
nicht mehr.

Ein kleines bisschen Wärme,
stumm und lächelnd,
die Augen sprechen mehr als es die Lippen könnten,
die Augen sprechen Welten,
blick mich an,
tritt ein,
ich öffne dir die Tür,
tritt weich voran,
du trittst auf meinen Träumen
wie schön war das, was für ein weiser Vers –
von Menschenhand geschrieben.
Menschen… Menschlich…

Ich wäre gern ein Mensch.
Weißt du,  so einfach: Mensch! –
Ich möchte´s – ah! – so endlos gern:
Langsamer denken
und ein bisschen stumpfer fühlen,
ein wenig wen´ger sein, und doch zugleich viel mehr!

Ich möchte wissen, wann man lacht und trauert,
wem man die Hand reicht und vor wem sich scheut,
Wie man das Maß entdeckt und nichts vermisst,
Von maßloser Mäßigkeit des Seins erschlagen.

Ich wüsste es so gerne, wie man mal die Augen schließt,
Und Ruhe findet, plötzlich fromm und leise.
Und keine Universen vor sich ziehen sieht,
Vergangenheit und Zukunft, tief verflochten,
Noch Heute oben drein,
nach links gedreht,
grobkörnig, bunt und biegsam,
irreführend,
verrückt und so betörrend,
unbegreiflich schön –
Wie ein Tibetteppich Lasker-Schülers!

Ich wüsste´s gern wie man die Augen schließt,
Und bringt den Geist zu solchem leisen Schlummern,
Dass dieser Geist nicht wacht, und lässt dich leben:
wie man den Körper schmilzt und doch erhalten bleibt…

Ich wär´ so gern ein Mensch…

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