Peace

27 12 2017

Im Augenblick herrscht in meinem Leben ein kleines bisschen Dynamik. Der Jahreswechsel fiel heuer mehr oder weniger mit einem Arbeitswechsel zusammen – eh zum Besseren, jedoch nimmt mir all die Bewegung ein wenig an Energie weg, die ich sonst ins Zeichnen und oder Dichten investieren würde.

Umso schöner ist es gewesen, zu Weihnachten etwas zur Ruhe gekommen zu sein. Als Beweis dafür: ein friedliches Bild auf meinem Schreibtisch.

Guten Rutsch allerseits!

Lucy Renard

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…und du glaubtest…

19 12 2017

…und du glaubtest dich ernst für geheilt? –

Denn… dein Herz schlug doch ruhig und leise,

Unterworfen durch strenges „Vorbei!“

Deiner elend vernünftiger Weisheit.

.

Du erhofftest dir Frieden und Schlaf? –

Siehe nun! Unverhoffte Begegnung… –

Durch die törichte Wärme bestraft

Und durch sie doch zugleich auch gesegnet.





Dürre

15 12 2017

Ich schrieb seit Tagen nichts. Kein Wort und keine Zeile,

Noch Atemzug, noch Regung gab´s zu meistern,

Der Geist ist abgewiegelt… abgewürgt,

Der Körper wochenlang – noch immer halb verkühlt. –

 

Und alles wurde leer und still…

Verlass mich nicht, verweile,

Ein Augenblick der böckigen Begeist´rung!

 

 





Grund-Sätze

11 12 2017

Alles besitzt seinen Grund:

Jede Musik und Stille,

Seele und tiefster Schlund,

Hitze und Kühle,

krank und gesund,

Wölbung und Rille,

eckig und rund,

Santi und Schiele,

Jeder Verlust und Fund,

Ohnmacht und Wille:

Letztlich hat alles Grund.

 

 





Dschinn

7 12 2017

Ein Hauch des Atems,
kaum bemerkbar in der klaren Luft des frühen Morgens.
Ich habe keine feste Form,
ich bin kein Mensch,
du kannst mich nicht berühren:
Es geht nicht. Denn
ich bin ein Hauch,
ein Atemzug,
nicht mehr.

Ein kleines bisschen Wärme,
stumm und lächelnd,
die Augen sprechen mehr als es die Lippen könnten,
die Augen sprechen Welten,
blick mich an,
tritt ein,
ich öffne dir die Tür,
tritt weich voran,
du trittst auf meinen Träumen
wie schön war das, was für ein weiser Vers –
von Menschenhand geschrieben.
Menschen… Menschlich…

Ich wäre gern ein Mensch.
Weißt du,  so einfach: Mensch! –
Ich möchte´s – ah! – so endlos gern:
Langsamer denken
und ein bisschen stumpfer fühlen,
ein wenig wen´ger sein, und doch zugleich viel mehr!

Ich möchte wissen, wann man lacht und trauert,
wem man die Hand reicht und vor wem sich scheut,
Wie man das Maß entdeckt und nichts vermisst,
Von maßloser Mäßigkeit des Seins erschlagen.

Ich wüsste es so gerne, wie man mal die Augen schließt,
Und Ruhe findet, plötzlich fromm und leise.
Und keine Universen vor sich ziehen sieht,
Vergangenheit und Zukunft, tief verflochten,
Noch Heute oben drein,
nach links gedreht,
grobkörnig, bunt und biegsam,
irreführend,
verrückt und so betörrend,
unbegreiflich schön –
Wie ein Tibetteppich Lasker-Schülers!

Ich wüsste´s gern wie man die Augen schließt,
Und bringt den Geist zu solchem leisen Schlummern,
Dass dieser Geist nicht wacht, und lässt dich leben:
wie man den Körper schmilzt und doch erhalten bleibt…

Ich wär´ so gern ein Mensch…





Aus der Naivitätensammlung – meine Madonna

4 12 2017

Und heute wieder – ein altes Bild, gezeichnet als ich ungefähr 15-16 war. Es gehört gesagt, ich wurde in einer absolut weltlichen Familie der „theoretisch“ russisch-orthodoxen Christen aufgezogen. Meine Elternfamilie ist nämlich soweit unreligiös, dass ich aus den Enzyklopädien zur Kirchen- und Kulturgeschichte die Hauptnarration der Bibel lernen musste. Und zugleich auch die muslimische, judäische, buddhistische Narration und ein Haufen polytheistischen Lebensanschauungen (das Wissen über die griechische Mythologie hilft übrigens sehr beim Kreuzworträtsel-Lösen).

Um das noch klarer zu machen, maturiert habe ich auch nicht in Österreich, fern von den prächtigen Gemälden im KHM und in den zahllosen katholischen Kirchen. Ein Kreuz in einem Klassenzimmer löst bei mir nach wie vor eine leichte Verwirrung aus – was hat doch bitte Religion in einer weltlichen Schule verloren? Aber die Rede ist heute von etwas anderem.

Aus der gesamten Weltlichkeit und Unreligiösität meiner Erziehung reimte sich ein gewisser stiller Respekt zusammen, Respekt vor dem unaufdringlichen Glauben welcher auch immer konfessionellen Prägung. Mit 13 „erfand“ ich mir selbst eine Art Glauben, lose gebunden an die heutige christliche Tradition, aber ohne ausgrenzende Elemente. Das Bild entstammt dem intensiven Nachdenken und summiert, glaube ich, dieses unbetrübte Gefühl der Ruhe und des Friedens, wenn man einer so heiklen Sache unvoreingenommen und relativ rein begegnet.

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