Porträt

30 11 2017

Bin beim Aussortieren der Fotos auf ein Foto meines Großvaters gestoßen. Fasziniert von dieser Ausstrahlung, musste ich natürlich sofort zum Bleistift greifen…

Opa

Advertisements




Human

27 11 2017

Take it out, this human heart! –

Acid running through the veins,

Word by word, each slamming hard –

Soar and puzzled, it beats in vain.

 

Turn them off, these grips of pain.

Prey to nauseating reason.

Shush you heart and use your brain.

Peace and comfort? No one needs them.





Impressions of Self

23 11 2017

IMG_4280





Split

20 11 2017

Waltzing on the weightless ice,

Racing rage of rumbling reason:

Shingles sharp and thought concise,

Hazy thirst that can´t be seasoned.

 

Fever of the restless mind,

Wild, unchained, it raids ashore,

Whilst this quiet child inside

`s seeking for an exit door.

 

Singing gospels, see! – she flees:

Joyfully escapes her prison,

Blissful smile across her lips,

Barefoot, numb, yet finally peaceful.

 





Linke Hand

13 11 2017

Ein Kollege zeigte mir mal so einen Trick: man schreibe dasselbe Wort gleichzeitig mit beiden Händen. Richtungsmäßig geht es dann irgendwie „natürlich“ spiegelverkehrt vom Zentrum zum Seitenrand. Es entsteht eine lustige Diskrepanz zwischen dem, was man mit der Haupthand gewöhnlich schnell und leicht erledigt, und dem merkwürdigen Muster, gekritzelt mit ungeübter zweiten Hand.

Ich habe nie im Leben mit der Linken schreiben können. Wenn man es versucht, es sich beizubringen, wird man zum ersten Mal bewusst, was für eine verdammte Leistung ein Volksschulkind erbringt, als es Zeile für Zeile die nerventötenden Striche zusammenführt, bis es endlich mal – entfernt – wie Buchstaben und Wörter aussieht. Man würde es wahrscheinlich als reflektierter Erwachsene auch schneller schaffen, nachdem man eben mit der Dynamik des Schreibenlernens aus der Schulzeit vertraut ist. Ich habe dann bald aufgegeben – ich werde das linkshändige Schreiben ganz bestimmt eines Tages lernen – nun zunächst möchte ich lieber meine Dissertation schreiben 🙂

Was jedoch sehr lustig war an dem Spielchen mit dem Kollegen – ich habe auch probiert, mit der Linken zu zeichnen. Und da entstehen trotz ungeübter Feinmotorik durchaus interessante Sachen! Ein paar von denen habe ich hier wahrscheinlich schon gepostet.

Diese kurze Stilllebenskizze ist ebenso mit den linken Hand gekritzelt.

 

IMG_4253

 

 





Unzeitgemäße Beobachtung

8 11 2017

Es gibt halt diese Menschen, die die Wände – im Falle der Uni Wien eher die Türe der öffentlichen WCs mit den Sprüchen beschmieren, die so in (pseudo-?)philosophische Richtung neigen. Wie etwa kritzelt so eine kreative Hand: „Fuck Islam und Kopftuchwahn“. Gleich darunter liest man, in einer anderen Handschrift geschrieben, eine weitere „ewige Wahrheit“: „Männer mit langen Haaren! Tragt Kopftücher, denn eure Haare machen mich zu geil!“. Noch weiter unten sieht man einen Aufkleber Refugees Welcome.

Nun, warum ich das hier anspreche. Wie man vielleicht weiß – ich verheimliche ja nichts – habe ich selber so was von einem Migrationsvorderhintergrund. Dank meiner beruflichen Tätigkeit der letzten zwei Jahre – in der Sozialbetreuung der ankommenden AsylwerberInnen – behaupte ich auch, ein etwas unmittelbareres Wissen aus der Sphäre zu haben, als so manch ein selbstberufener Philosoph, sei es einer, der sich für einen Politiker (oder Politikerin) hält, oder so einer (oder eine 😉 ), der/die nicht weiter kommt, als die Türe anzuschmieren.

Ich habe zum Beispiel kaum eine Iranerin mit Kopftuch gesehen, von Vollverschelierung ganz zu schweigen. Mir dünkt, mein revidiertes Bild einer Iranerin – einer Frau mit beneidenswert vollen dunklen Haaren und so schön charaktervollen Gesichtszügen, gekonnt unterstrichen durch Schminke, ganz leger und „westlich“ angezogen – passt nicht unbedingt in die allgemein herrschende Vorstellung, nicht wahr?

Auch im privaten Umfeld bin ich mit Menschen aus diversen Herkunftskulturen befreundet. Eine gute Freundin von mir kriegt zum Beispiel keine abschlussrelevante Stelle, da sie – eher aus familiären Gründen, als aus irgendeinem religiösen Wahn – ein Kopftuch trägt. Kein Niqab, nichts, ein schönes weißes Kopftuch, das ihre feinen Gesichtszüge ziemlich schön betont. Die junge Dame ist in Österreich aufgewachsen, hat einen BWL-Abschluss und zitiert aus dem Gedächtnis Goethe.

Ich selbst wurde äußerst weltlich aufgezogen, mein Wissen über die Religionen verdanke ich eher meiner lebenlangen Leidenschaft – Geschichte, als familiärer oder schulischer Prägung. Ein Kopftuch, das auch bei den Orthodoxen eine wichtige Rolle spielt, ist für mich eine leere Formalität. Die Diskrepanz zwischen meiner Einstellung – und der meiner guten Freundin – stört uns aber keinerlei daran, eine gegenseitige Sympathie, bzw. Respekt zu emfpinden. Ich würde mal sagen, wenn wir uns schon nicht einig sein sollten, dann eventuell nicht wegen des Glaubens, sondern eher weil ich nicht Goethe, aber eher Rilke mag.

Um die Kurve jedoch abzuschließen, zurück zu Refugees Welcome. Die allerwichtigste Frage, die ich nun in den Raum stellen möchte. Mir fiel nämlich auf, dass die weibliche Silhouette auf dem Aufkleber eine eher „westliche“ Frau darstellt: ihre schulterlangen Haare wehen im Winde, ihr Kleid ist knielang und ärmellos.

Und an der Stelle möchte ich nun fragen: heißt es etwa, nur die Flüctlinge sind willkommen, bei denen die Frauen ohne Kopftuch und westlich angezogen herumlaufen? Wie gesagt, keine Rede von Niqab. Kopftuch. Lassen wir die syrischen Frauen „dahaam“ bleiben, wenn sie kein kurzes Kleidchen anziehen wollen? Heißt es, wir nehmen nur Iranerinnen auf? Heißt es, dass ich – blonde Haare, blaße Haut, blaue Augen – „österreichischer“ und willkommener bin, als meine Freundin, mit der ich über die deutsche Dichtung von Sturm und Drang reden kann? Heißt es nicht, dass unser „Herzlich willkommen“ sehr oft so simplistisch und naiv ist, dass wir nur die Menschen akzeptieren wollen, die uns selbst gleich aussehen? In die innere Welt von ihnen schauen wir nicht einmal rein: wozu auch, denn, siehe oben: „Kopftuchwahn“?

P.S. Für diejenigen, die an Migration und Flucht als Thema tatsächlich auch tiefgreifender interessiert sind, möchte ich hier noch ein neues Buch von Philipp Ther empfehlen: „Die Außenseiter„. Es ist eine auch sprachlich, jedoch vor allem analytisch schön geschriebenes Buch, das auf einige Flucht- und Migrationsbewegungen in Europa seit dem 18. Jahrhundert eingeht und in viele elendlangen Debatten über die Integrierbarkeit eine so notwendige Maktoebene zieht. Keine Naivität, keine Hetze – durchdacht und ausgewogen. Äußerst gute Lektüre, die mir einige Augenblicke von „ah, das stimmt ja!“ oder „Wow, daran hab ich noch nicht gedacht“ schenkte.





Abendgedanken. Aus dem Alltag der Sozialbranche.

6 11 2017

Ich bin dabei.

Bin ziemlich gern dabei:

Ich lernte es, den Menschen zuzusehen

Und deren Leben aus den Handbewegungen,

Kopfschütteln,

Atemrhythmus,

Augenglanz zu lesen.

Ich weiß es nun, wie manche heimlich weinen,

Wie manche toben aus dem nichtigen Anlass,

Wie manche – trinken Tee und reden,

Man tötet Lebenszeit und wartet, wartet, wartet…

 

Sie machten mich erwachsen… Reifer, stärker…

Ich hätte mir den Anblick auch erspart:

Gejunkte Frau, mit ihrem Fernseher redend,

Die Welt beschimpfend, kantig und durchtränkt mit Hass

Zu Allen und zu sich selbst in diesen Allen.

Die Andere, die gerne Karten spielte

Und Tulpen mochte, ganz genau wie ich,

Die arme Seele! – und ich musste weinen,

Als sie auf Intensiv zu meiner Hande griff,

Entsetzt durch die Wahrnehmung, dass sie sterben würde…

 

Sie machten mich erwachsen: Kinder, katatonisch weinend, –

Noch schlimmer ist es wenn sie fröhlich sind!

Man kann das Herz nicht schließen,

– mit den Kindern kaum.

Du lernst sie lieben: das Gewicht auf deinem Arm,

Geruch der Haut und Glänzen ihrer Augen,

Wie sich das Haar anfühlt, wenn du mal drüber streichelst,

Wie du mit deinen pädagogischen Ansätzen baff da stehst,

Und manchmal, fasziniert von elterlicher Weisheit,

Berührt und staunend Menschen still zusiehst –

Und sie sind weg.

In einem Atemzug.

Für immer.

Du sucht nach Luft.

Nun bist du hinterblieben. 

 

Erzählt uns, dass wir böse Menschen sind.

Wir schützen uns wie es nur geht. Vergeblich.