Schlafende Schönheit

30 06 2017

2017-05-10 10-00 Seite #0

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I have a dream

28 06 2017

So to say… Vielleicht nicht heute und nicht in einem Jahr, aber eines Tages, Schritt für Schritt, möchte ich einige Sachen, die zum russischsprachigen Allgemeinwissen und Kulturgut gehören, ins Deutsche übersetzen. Das auf russisch Verfasste hat so viel mehr zu bieten, als die ewige, allen bekannte und daher fast schon fade Kombination „Tolstoj-Dostojewski-Shostakovich“. Dabei sind manche Autoren – ja ganze Wissenstraditionen im wahrgenommenen „Westen“ so gut wie unbekannt. Mit den Russischsprachigen redend, verzerre ich schmerzhaft die Miene, wenn sie ihre Belesenheit dadurch herzeigen wollen, dass sie Bulgakow gelesen haben. Um Himmels Willen! – Für Russischsprachige ist Bulgakow kein Bildungs-, sondern lediglich Alphabetisierungsmerkmal.

Als ich vor paar Jahren für die Aufnahmeprüfung Pädagogik an der Uni Wien ein äußerst unlogisch zusammengestelltes Buch lesen musste, fiel mir ein, dass die „westlich“ geprägten Autoren zwar vom pädagogischen Humanismus sprachen, sich dabei aber ausschließlich auf die USA bezogen. Wobei für mich pädagogischer Humanismus undenkbar ist ohne Wassili Suchomlinski oder Anton Makarenko. Die sind nicht lediglich Gestalten mitten im vorbeiziehenden Fluss der Zeit. Die sind der Inbegriff der humanistischen Pädagogik. Sie nicht zu kennen ist genauso unmöglich wie… nie von Viktor Frankl gehört zu haben.

Zwar waren beide Kinder ihrer Zeit: in Suchomlinskis „Briefen an den Sohn“ findet man recht viel Begeisterung für Kommunismus. Voll entzückt spricht er von dem, was ich mittlerweile als „Transformationsmoral“ abwerten würde: die Errichtung einer neuen, besseren, voll utopischen Gesellschaft, verflochten mit Pathos des Patriotismus (ich habe recht wenig gegen Patriotismus, solange es wirklich um die Liebe zum Eigenen – und nicht um die Abwertung des Anderen geht). Aber wie kann man das Suchomlinski zum Vorwurf machen? – dem Sohn der einfachen Dorfbauern aus tiefstem „nowhere“ in der Ukraine des frühen 20. Jahrhunderts, aufgestiegen dank der eigenen Begabung und kostenfreier Bildung – zu einem hochverehrten Pädagogen und Theoretiker des sowjetischen Humanismus in den Zeiten des Aufbruchs zum „sowjetischen Traum“ und wo dieser Traum ja so nah zu liegen schien – Weltallera und Tauwetter, Aufschwung der Wissenschaften und rasante Verbesserung des Alltags der Bevölkerung. Das Schwärmen nach der neuen Era, volle Überzeugung, dass der sowjetische Sozialismus eine bessere, gerechtere Gesellschaftsordnung, gehörten bei Suchomlinski zu einem Teil seines Lebensphilosophie, zu seinem Glauben.

Ob er manchmal hinwegschaut oder gewisse Sachen wirklich nicht sieht: GULAG, Holodomor und sonstige „Nebenwirkungen der Verbesserung“? Dabei spricht sich Suchomlinski in seinen Büchern immer wieder unglaublich tapfer gegen die individuelle „Taubheit“, Feigheit, Faulheit und menschenunwürdige Gleichgültigkeit der Gesellschaft aus. Er berührt insgesamt so eine breite Palette der Probleme, dass man ihn schon allein deswegen hätte lesen sollen. Und vielleicht sind manche Gedanken veraltet oder romantisch oder was sonst. Sie sind jedoch so schöne Denkanstöße…

Hier ist ein kleiner Auszug aus Suchomlinski, den ich vor 3 Jahren für diesen Blog übersetzte. Sollte doch regelmäßig gelesen werden, wenn die Abenddämmerung etwas dünkler als üblich wird.

I have a dream, wie gesagt…

 





Aphrodite

26 06 2017

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Sei still, mein ruheloses Herz…

24 06 2017

Sei still, mein ruheloses Herz,

Vorm Spiegel deiner Seele stehend,

Verblüfft und scheu: ist das ein Scherz?

Wo kommst du her, der Unbekannte?

Mein Geist vermag dich zu verstehen.

Die Fingerspitzen scheu gestreckt:

Darf ich das Spiegelbild berühren?

Hat es vielleicht dieselben Kanten,

Dieselben Muster und Figuren

Hineingeprägt, wie ich es tat?

Er sieht mich an. Nachprüfend. Tief.

Und strahlt das fremde, weiche Licht;

Champagner schäumt in mein´m Rückgrat.

.

Es kann nicht sein. Sei nicht naiv.

Verwirrung nun im Keime ersticken:

Pass auf, wovon du schweigst und sprichst

Und achte auf keine Augen-blicke.

 





Wie ein Märchen, ein Lied, eine Hymne…

20 06 2017

Wie ein Märchen, ein Lied, eine Hymne,

wie eine weiche Verzweiflung,

die störrische Zartheit,

frühe Dämmerung vorm glutroten Untergang:

Hier kommst du

Endlich! –

So endlos und unumkehrbar.

Die Zeit fürs Weinen vom Glück

Und Lachen vom Schmerz

Ja, weinen von dir! –

Und beten: für dich und dir..

Nun ändert sich die Welt:

Krümmt,

Schäumt,

Wällt,

Schmilzt –

Es gibt keinen Raum,

keine Zeit,

keinen Beginn,

kein Ende

und keine Angst mehr…

Bleib bei mir.





Insomnia – Teil 2

18 06 2017

Wenn die Schäfchen auch drunter leiden, dass man nicht schlafen kann…

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Verweile auch du… – aus Suchomlinski

17 06 2017

Wenn es einem gerade mal schwer fällt, die Welt und das Leben als schön wahrzunehmen, ist es angesagt, die folgende Aussage aus Suchomlinski, dem ukrainisch-russischen humanistischen Pädagogen des 20. Jahrhunderts zu lesen.

…Auf dieser Welt gibt es nicht allein notwendige oder nützliche Sachen, aber auch die Schönen. Seit dem Moment, in dem ein Mensch zum Menschen geworden war, seit dem Augenblick, als er zum ersten Mal die Blütenblätter und den Sonnenuntergang bewundernd anblickte, hat er auch angefangen, in sich selbst hineinzusehen. Der Mensch hat die Schönheit begriffen.

Schönheit ist etwas zutiefst menschliches. Sie existiert ganz unabhängig von unsrem Bewusstsein und Willen, wird aber einzig vom Menschen entdeckt und erfasst. Die Schönheit lebt in der Menschenseele, und, hätte es bei uns kein Bewusstsein gegeben, würde es auch keine Schönheit geben. Auf diese Welt kommen wir um die Schönheit zu begreifen, zu bestätigen und zu erschaffen.

Schönheit ist die Freude des menschlichen Lebens. Gerade dadurch ist der Mensch zum Menschen geworden, dass er die Tiefe des azzurblauen Himmels und den Leuchten der Sterne gesehen hat. Er sah auch die zarte rosafarbene Blühte des Morgens, den hauchleichten Dunst der Steppenweiten, die purpurrote Sonne am Abend vor einem windigen Tag, blaue Schatten auf dem Schnee im März, die Kraniche in den Wolken, endloses Spielen der Sonne in Myriaden der Tautropfen, graue Fäden des Regens am trüben Tag, lila blühenden Flieder und die Bläue der Schneeglöckchen… Der Mensch sah dies alles und ging, erstaunt, durch die Erde, immer neue Schönheit schaffend. Verweile auch du erstaunt vor der Schönheit, und in deinem Herzen wird ein wahrer menschlicher Edelmut aufblühen…

Wassili Suchomlinski