Blogging und Googlesuche

13 11 2013

Vor ungefähr einem halben Jahr bin ich drauf gekommen, dass die Googlesuche nach meinem Namen direkt auf diese Blogseite führt.  Es gehört auch gesagt, dass mein Name – dank der Transliteration für die größte Mehrheit der Deutschsprachigen allein durch Copy-Paste schreibbar wird und daher fast ausschließlich von den Menschen gegooglt werden kann, die diesem Namen an der Universität Wien begegnet sind.

Nein, es ist nicht dass ich hier irgendwelche Staatsgeheimnisse posten würde und Angst vor der NSA hätte (wo ich diesen Satz fertig schreibe, sind die Daten vielleicht schon irgendwo in Washington, D.C. gelandet…). Es ist nicht dass ich hier irgendwelche mädchenhafte, tränenerregende Blödheiten schreibe oder dass ich mich dafür schämen sollte, dass ich zeichne (das weißt mittlerweile die Hälfte meiner Professoren, – und Zeichnen hilft mir bei Zuhören). Es ist keine eingebildete Bescheidenheit: ich bin bei weitem nicht so melodramatisch, dass ich zunächst etwas nach Außen trage und dann meine, es sei fürs private Nutzen gemeint gewesen. Alles, was hier gepostet wird, gehört gepostet. Alles, was ausgeklammert bleibt, gehört in das Private, also kein blödes Kokettieren mit „ich hab’s nicht gemeint“. Mein Fluffy-Bild auf dem ‚Avatar‘ verwende ich mittlerweile bei academia.edu und sonst wo, ich verstecke mich nicht, aber was für eine Rolle spielt mein Gesicht wenn es z.B. um die Kulturgeschichte geht, und solange man mich nicht persönlich treffen möchte/könnte/sollte?

Also, keine verletzte Naivität hier, nein. Und trotzdem… Ist es irgendwie ungemütlich geworden? Ungemütlich, dass jemand, der von einem Bild der deutschsprachigen Politik im Spiegel russischsprachigen Enzyklopädien der kommunistischen Zeit ganz einfach auch auf Gerald Grant stoßt? Dass man nach meiner wahrscheinlich allzu aktiven Teilnahme an Diskussion zum Thema ‚Discourse construction of self‘ auch Funny linguistics zu sehen bekommt? Dass ich plötzlich auffindbar bin, auch wenn ich aus bloßer Gewohnheit in den Kopfzeilen meiner PDFs automatisch meinen vollen Namen schreibe? Dass man – sobald man russisch kann – automatisch meine einzige emotionelle persönliche Entgleisung hier liest – ich habe es doch nicht ganz gut geschafft, da diese Tristesse sehr schwer zu überwinden ist – ein frühzeitiger Tod meiner guten Freundin tut mir so weh?

Ich bin keine Angela Merkel, ich habe wenig zu verbergen (und auch dies ist von wenig Interesse für gescheite Leute). Und trotzdem schreibe ich immer wieder einen Artikel hier – und gebe auf, und schmeiße ihn in den elektronischen Papierkorb. Lustig, m? Ob ich paranoid bin? Ob ich naiv bin/war, wo ich gemeint habe, ich publiziere, ich bin mir der Konsequenzen ganz bewusst? Ich verstecke mich nicht, aber die Tatsache, dass mein ‚private public sphere‘ und ‚professional public sphere‘ ohne Absprache mit mir von einer Suchmaschine verbunden werden – das sorgt für einen unangenehmen Nachgeschmack. Oder bin ich zu anspruchsvoll?

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2 responses

16 11 2013
knittingsandra

Ich denke es geht vielen Menschen so wie dir. Für mich geht es auch gar nicht darum, dass man Geheimnisse über mich herausfinden könnte. Aber man kann ein umfassendes Profil erstellen.
Im RL überlege ich mir ja auch wem ich was erzähle. Und nicht jeder muss alles über mich wissen. Im Internet können die Daten leicht verknüpft werden, ohne mein Wissen oder Zustimmung.
Das ist halt ein zweischneidiges Schwert und man sollte sich dessen bewusst sein.

18 11 2013
lucyrenard

Ja, das ist wahr 🙂 Danke für Kommentar!

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