Hier ist wieder eine frische Portion Aprilskizzen, diesmal aus Graz.
Heute bin ich mit 48A in Richtung Baumgartner Höhe gefahren (für Nicht-Wiener, hier ist der Plan: http://www.wienerlinien.at/media/download/2012/Linie_48A_88329.pdf). Als man von der Haltestelle Thaliastraße U6/Koppstraße losfuhr, hab ich aus dem Busfenster einen Mann hinter der Haltestelle auf dem Boden liegen gesehen. Die Gegend ist zwar kein Schönbrunn (Gott verzeih mir!), aber vormittags war es heute doch etwas zu kühl fürs gemütliche und betrunkene Schlafen. Daher habe ich – zum ersten Mal in meinem Leben – die 133 angerufen. Ich meine, wer weiß…
Zugegeben, wenn man mit der Phrase “Ich bin mir nicht sicher, ob ich sie, oder die Rettung anrufen muss”, muss man auch damit rechnen, dass der Gesprächspartner von Anfang an etwas negativistisch eingestellt ist. Aber bitte…
“Hinter der Haltestelle vom 48a in Richtung Baumgartner Höhe, Haltestelle Thaliastraße/Koppstraße liegt ein Mann auf dem Boden, und ich bin mir nicht sicher, ob es ihm zu gut, oder zu schlecht geht”.
“Wo sind Sie? Geben Sie mir die Adresse”
“Haltestelle von 48A Thaliastraße U6/Koppstraße”
“Das kann nicht sein. Thaliastraße läuft parallel zu Koppstraße”
//Ojda Fuchs! Klar läuft sie so, aber die Angabe Lerchenfelder Gürtel fällt mir nicht sofort ein, dazu bin ich mir mehr als sicher, die Koordinaten sind schon gegeben”//
“Es ist die Haltestelle von dem Bus 48 in Richtung Baumgartner Höhe. Heißt wirklich Thaliastraße und ist auf der Koppstraße”.
“Thaliastraße läuft aber im 15. Bezirk. – Die Stimme wird gereizt, man glaubt, man spricht mit einem Idioten. – Und Koppstraße ist lang”.
//Ojda Fuchs noch ein Mal! Als ob ich es nicht wüsste! Aber neben der U-Bahn Thaliastraße beginnt die Koppstraße, gerade dort, wo die Neustiftgasse zu Ende ist, oder?//
“U-Bahn Thaliastraße, auf einer Seite beginnt die Koppstraße, auf der anderen ist die Neustiftgasse”.
“Geben Sie mir ein Hausnummer in der Nähe!” – fordernd und gereizt.
Ich werde schon recht böse, aber echt, was um Gottes Willen hab ich noch nicht gesagt.
“Schauen Sie sich um und sagen normal, wo Sie sind”.
“Ich bin im Bus, schon mittlerweile ein paar Stationen weiter.”
“Wissen Sie, ich kann nichts machen, wohin soll ich die Leute schicken, wenn ich nicht einmal weiß, was da passiert ist?”
//????????//
“Ich hab es doch gesagt, auf der… nein, hinter der Haltestelle liegt eine Person, und es tut mir leid, ich kann leider nimmer checken, ob es ihm gut oder schlecht geht”.
“Na gut, ich schicke jemanden” – Aufgelegt.
Also… Ich meine, man kann sicherlich genauere Angaben machen, aber ob man auf der anderen Seite – und bitte sehr! bei der Polizei-Notruf! – nicht etwas aufmerksamer zuhören kann – das weiß ich nicht.
Interessanterweise und trotz Erwartungen lohnte es sich heute, die erste Werktagsausgabe von “Die Presse” nach Ostern durchzuschauen. Wobei “durchschauen” hier ein etwas zu starkes Wort ist: schon die Aufschrift auf der ersten Seite sorgte für eine Menge Emotionen, die ich im folgenden Post doch hoffentlich unter Kontrolle der Vernunft halten kann. Es geht nämlich um die ausländische Studenten, die die Autorin Julia Neuhauser als Belastung des österreichischen Bildungssystems betrachtet. Na fein…
Frau Neuhauser schreibt lakonisch und sachlich, das muss man schon zugeben. Noch etwas Wichtiges, bevor ich mich in halb-empörte, halb-erklärende Narration einlasse, es ist klar, dass Ausbildung generell, also nicht allein die in Österreich, eine Branche der Wirtschaft ist, die an sich unrentabel ist und von den staatlichen Subventionen abhängt. Man entscheidet in jedem Land für sich selber, ob man die Bildungskosten für den Staat durch hohe Studienbeiträge (wie es etwa in den USA oder Großbritannien der Fall ist) auszugleichen; in manchen Ländern bleibt die Ausbildung generell kostenfrei, wobei man doch immer wieder versucht, hier oder da was zu sparen: etwa wie durch die schärferen Zugangsregelungen (NC in Deutschland), Einschränkung der freien Ausbildung auf die in der Amtssprache des Landes (Tschechien), oder auf die Anzahl der freien Ausbildungen (teilweise Russland).
Ein guter Trick ist natürlich die Einführung der Studienbeiträge für ausländische Studierende: so etwas hat man letztes Semester hier an der UniWien ausgedacht. Es ist nicht das man vorher überhaupt nichts zahlte, nein: es gab drei oder vier Listen der Länder, die – einige dank dem zwischenstaatlichen Abkommen, einige wegen dem Status eines “Entwicklungslandes” – die Beiträge in unterschiedlicher Höhe einzahlten. D.h. etwa, von den Studenten aus Swasiland wurde nichts verlangt, von Denen aus einer Reihe Länder (u.a. Ukraine, Kasachstan usw.) – nur der ÖH-Beitrag, solange die Studiendauer nicht überschritten war (genau so wie von den EU-Bürgern und BildungsInländerInnen, den Menschen, die eine Matura oder einen Uni-Abschluss in Österreich haben). Die Restlichen zahlten. Die “Hiesigen” wissen Bescheid, was hier alles los war nachdem Töchterle das Problem der Gebühren ganz schön elegant auf die Universitäten geschoben hat. Seitdem man offiziell wieder das Recht “gewonnen” hat, Studienbeiträge einzuziehen, wurden die Regeln letzten Sommer quasi wiederhergestellt – aber nur für Österreicher, EU-Bürger und die Glückspilze, die schon einen Abschluss hatten. Für die Restlichen (wie auch immer abstoßend ich dieses Wort finde) wurde die Latte etwas höher gelegt, so dass jede oben erwähnte Kategorie den höheren Beitrag der nächsten Kategorie zum Einzahlen bekam – die, die vorher den vollen Beitrag zahlten, sind nun übrigens zur zweifachen Summe verpflichtet.
Warum ich so viele Details erwähne und warum weitere folgen werden. Frau Neuhauser meint, ein “Studienplatz kostet mehr, als die Steuer einbringen”. Mag wohl sein. Aber ich sehe keinen Grund, warum das der Schuld von Jenen sein soll, die sowieso ständig was für ihr Studium ausgeben, nicht zu erwähnen die, die nun durch Doppelbeiträge auch gnädigst die Plätze von Denen finanzieren, die nichts zahlen müssen?
Oder sollte es etwas heißen, es gebe ja zu viele deutsche Studenten in Österreich (es wird doch im Text des Artikels war nicht so eindeutig wie hier bei mir, aber doch spürbar gemacht)? Die Deutschen, die von Numerus Clausus fliehen und ein Studium hier “unten” (geografisch gesehen) anfangen, die Deutschen, die auch im Bereich Ausdehnung der Bildungskontakte von Österreich im Ausland und Anlockung der weiteren Interessenten nichts nutzen – es gebe, so die Autorin, schon ohnehin enge Beziehungen zu Bundesrepublik. Wunderbar, aber was ich persönlich hier spüre ist schon wieder dieser Komplex des jüngeres/weniger erfolgreichen Geschwisters: die “bösen” Deutschen sind ja immer “besser”, ja klar… Es riecht nach Kindergartenquatsch, insbesondere weil man sich offensichtlich nicht traut, das Ding klar zu sagen: nicht allzu allgemein “ausländische”, aber ganz gründlich und ernst: “deutsche Studenten als Belastung”. Wieso denn nicht? Weil das erfolgreichere Geschwister böse sein wird? So was darf man doch nicht sagen, sonst wird Deutschland sauer, und wer will das schon?
Hier gehört gesagt, ich habe 3,5 Jahre an einer ziemlich provinziellen Universität Russlands verbracht. Alles, was ich über Österreich wusste ließ sich grob aber genau als “Handbuch für klassische Musik mit kulinarischen Elementen” beschreiben: Wien, Beethoven, Mozart, Haydn, Strauß, Walzer, Sachertorte, Apfelstrudel, Kaffee. OK, als ein Geschichtsfluffi wusste ich auch, dass es Franz Ferdinand gab
Aber was die akademischen Programme anbetrifft, herrschte überall Deutschland. Es waren DSH und DAF-Kurse, es war Goetheinstitut und Kursangebote vom DAAD, es waren die Lehrbeauftragten von Robert-Bosch-Stiftung, und die LMU war dort so gut wie zuhause. Von OEAD habe ich erst in Wien erfahren, auf der Suche, ob jemand einer engagierten Studentin aus einem “Drittstaat” ganz zufällig ein Stipendium zahlt. Mein Fachbereich passte zu der Staatsangehörigkeit nicht so perfekt (ein Vorwurf von Frau Neuhauser: ”Die Studienwahl ist für den Markt wenig geeignet”, d.h. ausländische Studenten interessieren sich – überraschenderweise genau so wie die Heimischen – eher für Geisteswissenschaften), hat nicht geklappt. Die Geschichte wiederholte sich übrigens am Anfang dieses Semesters, wo man mich in der UniAula angesprochen hat, ob ich mich für keine Stipendien interessiere. “Ich schon, aber das Interesse wird nicht erwidert”. “Das kann aber nicht sein, schauen wir mal gemeinsam”… – Das Lächeln wurde etwas trüber als man erfuhr, was für eine Staatsbürgerschaft ich habe. “Na, dann nehmen Sie zumindest einen Kuli!”. Ehrlich, es hat mir bis jetzt noch nie, wirklich kein einziges Mal Leid getan, dass ich nach Österreich umgezogen bin (was übrigens hieß ich pfiff auf die offizielle Einladung, ein Semester lang Germanistik an der LMU, voll finanziert und mit Unterkunft, zu genießen). Das heißt einerseits, dass die Situation in Österreich gar nicht so tragisch ist, solange man Lust aufs Wissen hat – und dass man wirklich vorsichtiger sein sollte mit den Phrasen wie Image von Österreich im Ausland.
Oder der folgende Punkt (wieder Zitat): “Es studieren nicht die Besten in Österreich”. Wie bitte? Diese Aussage finde ich umso problematischer, da man hierzulande die ganze Zeit davon tratscht, wie sehr man stigmatisiert und diskriminiert wird: durch 4 und nicht eine endlose Menge Sitzungen bei den Prüfungen, durch die berüchtigte STEOP, die eine echte Hysterie auslöste. Ich frage mich wieso hat man neulich die veränderten Zugangsregelungen bei einigen Fächern übersehen? Na gut, die Presse ist von dieser etwas aufdringlich wirkender ochlokratischen Polemik verschont und vertritt gute alten christliche-sozialen konservativen Werte. Aber die Überschrift ist trotzdem mehr als fragwürdig. Als Argument dazu wird es gesagt, einerseits gibt es leider keine festen Zugangseinschränkungen wie etwa NC in Deutschland (“bei dem Geschwister gibt es doch manchmal was Gutes, aber ich gebe es nie zu, das ich es mag”). Und dass NB! sehr viele ausländische Studenten ihre Studien frühzeitig abbrechen.
Meine Damen und Herren, ich muss zugeben, ich stehe auf Zugangseinschränkungen. In Russland habe ich eine junge Dame gekannt, die allein deswegen ihr Philologiestudium angefangen hatte, damit sie nach dem Abschluss das Diplom ihrem zukünftigen Ehemann prahlend zeigen könnte. Ihren Abschluss hat sie mittlerweile: auch wenn nicht cum laude, aber immerhin mit einem 1 im Englischen (Hauptfach), ohne sich dabei wirklich in den Tenses zu auskennen. Also, wenn man mich fragt, ich die Verehrerinnen vom Herrn Bieber vorm Hotel Sacher sind in ihrem Liebesamok nichts im Vergleich zu meiner Begeisterung von Aufnahmeregelungen. Aber es gehört gesagt, dass man nicht allein deswegen das Studium abbricht, dass man etwa zu blöd dafür ist. Ob man sich je gefragt hat, wie lange ein junger Akademiker als Kellner hackeln will? Nein nein, qui quaerit reperit, und es ist nicht unbedingt Kellnerei oder Putzen, natürlich nicht. Die Arbeitsmarktregelungen wurden für Studierende stark vereinfacht, das genieße auch ich unglaublich. Nachdem ich die Leute gefunden habe, die keine Angst hatten, den aus reiner Formalität beibehaltenen und Viele abschreckenden 4-seitigen Fragebogen auszufüllen, damit es einem offiziell erlaubt wird, zu arbeiten. Schön. Wenn man übrigens nach dem Uni-Abschluss innerhalb der angegebenen Frist keine der Qualifizierungsentsprechende Arbeit findet, dann ist es ein Pech – man hat keinen Grund mehr, um diesen Armen in Österreich zu behalten, also bitte! Entweder weiter studieren, oder sehr viel Glück und sehr viel Pedantismus haben. Das liegt schon im Bereich der Interessen von dem Herrn Kurz, oder? Wir nehmen die Besten – wenn sie überlebt haben und immer noch bleiben wollen.
Nein, diese Antwort war als keine allzu scharfe und rücksichtslose Kritik gemeint. Jemand wird doch sicher beim Lesen sagen, ich habe diese Recht nicht, mich hier auszusprechen. Habe das schon von einer Kollegin gehört, deren Erfahrungen mit Österreich anscheinend etwas weniger glänzend sind als meine: neulich unterhielt sie sich mit einer afrikanischen Bekannten, die kein Deutsch kann – daher auf Englisch, alles klar. Und bekam von einem Passanten ein süßes “Scheißausländer” zu hören. Lieb. Ihre Philosophie ist “nicht zu widersprechen, ich bin doch eigentlich nicht zuhause”. Für mich ist es eben die Frage. Bin ich hier nicht zuhause? Wirklich nicht? Lustig, es fühlt sich anders an. Es mag komisch sein, aber ich fühle gewisse Verantwortung… Ich war immer allzu verantwortlich, nicht? Ich fühle mich verantwortlich und verpflichtet, für die Leute auszusprechen, die sich aus mehreren Gründen, wegen mehreren Passanten und ihren Aussagen, wegen solchen Artikeln, wie heute in der Presse, “nicht wirklich zuhause” auch wenn sie ansonsten normales “österreichisches” Leben betreiben. I have a voice, right? Oder habe ich was falsch verstanden?
Всё, в чём мы считаем себя выше животных – наше счастье, более личное и более многогранное, наши более глубокие знания и более жесткая душа, наша способность к состраданию и даже наше представление о боге, – всё это куплено одной ценой: мы познали то, что по разумению людей, недоступно животным, познали неизбежность смерти.
Эрих Мария Ремарк
День рождения умершей подруги. Поздравить нас всех с тем, что она была? Поплакать, что одному хорошему человеку 27 марта 2013 года не исполнится несолидных, но забавных 23 года? Прав старый алкоголик и импотент, познание смерти и конечности как-то качественно меняет состав мыслей. Не страх. Что-то другое. Не довлеющая несчастливость.
Милая, мне так жаль, что нельзя разделить весь этот многогранный, захватывающий и бесконечно прекрасный мир с тобой. Очень надеюсь, что где-то Там у тебя теперь мир еще лучше, чем этот, наш. Счастья тебе.
Ein Geständnis von mir: trotz allem Kosmopolitismus ist es sehr schade, dass die russischsprachige Kultur im “Westen” im besten Fall unbekannt, üblicherweise aber allein mit GULAG und Tolstoj verbunden wird. Ich verleugne hiermit keine Verbrechen des Stalinismus´ und will sicherlich den langatmigen Albtraum des Schulprogramms, Krieg und Frieden in der Gesamtkomplexität des Stoffes nicht beleidigen. Aber als ich meiner besseren Hälfte mal (vor sehr langer Zeit) einen bekannten politischen Witz aus den tiefen 70-r erzählt habe, wurde mir gesagt, so was habe es nicht gegeben – oder wenn schon, dann nur im Zug Richtung Sibirien. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, was sich die Leute vorstellen, was man im “roten Alltag” alles gemacht hat: gearbeitet und auf die Bilder von Lenin gebetet? Quatsch! Als ein Argument – hier ist eine Komödientrilogie (zwei Kurz- und ein normaler FIlm, insgesamt 90 Minuten Zeit) vom berühmten (dort, klar) Regie Gajdaj. Schautest hier in Wien war positiv (mit der Reaktion “Des is oba wiiitzich!”). Auf der Seite von Mosfilm (Moskauer FIlmverbund), offiziell freigestellt und mit engl./franz. Untertitel. Ich freue mich auf weitere Reaktionen und Ihre Kommentare: